Getrübte Freude auf Olympia: AKTIV im Norden

Standpunkt

Getrübte Freude auf Olympia

Peking und die Tibet-Aktivisten: Profis auf beiden Seiten

Dies vorweg: An den totalitären Aspekten der „Volksrepublik“ China gibt es nichts zu beschönigen. Und die Tibeter haben gewiss das Recht auf ihre eigene Lebensweise, welches der Dalai-Lama einfordert. Trotzdem gibt es zur derzeitigen Anti-China-Welle ein paar Dinge anzumerken.

Dass der globale Lauf der olympischen Fackel punktgenau von Protesten begleitet sein würde, war wohl abzusehen – und es war auch in Peking einkalkuliert worden. Das zeigen ja die umfassend geschulten (Kommando-Wortschatz in fünf Sprachen!) mitlaufenden Fackelschutzeinheiten.  Und wo immer die Staffel hinkam, stand bereits die Gegenorganisation.

Profis eben auf beiden Seiten.  Es wäre gut, wenn die globale Fernsehgemeinde im Blick hätte, dass beiderseits Regie am Werk war.

Besonders da, wo sie zu weit ging oder auch, man weiß das nicht so genau, versagt hat: Wenn einer im Namen von Freiheit sich daran macht, einer im Rollstuhl sitzenden Behindertensportlerin die Fackel zu entreißen, dann muss er seiner Sache allzu sicher sein. Für solch einen Augenblick sollte sich der Streit, ob der Einsatz chinesischer Schutzeinheiten in westlichen Landen rechtens war, von selbst erledigt haben.

Noch bedenklicher ist, dass die seinerzeitigen Unruhen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa – kurz vor dem Pekinger Staffelstart – im Rückblick als Auftakt-Veranstaltung der Gegenseite erkennbar sind. Die friedlichen Kundgebungen von Mönchen hatten die chinesischen Behörden noch nicht zum Einschreiten gebracht. Nach zwei Tagen gingen daraufhin weniger friedliche Junghorden auf die Straßen, und nicht bloß auf die Straßen, sondern auf chinesischstämmige Einzelhändler los.

Unschuldige Tote hat es nicht nur auf tibetischer Seite gegeben. Bei noch nicht insgesamt geklärter Nachrichtenlage spricht einiges dafür, dass zumindest in Lhasa (womöglich in der Folge auch im weiteren Tibet sowie in den teilweise tibetisch besiedelten chinesischen Nachbarprovinzen) vorsätzlich eine Lage geschaffen wurde, die auch rechtsstaatliche Sicherheitskräfte zum bewaffneten Eingreifen gezwungen hätte.

Die Erinnerung der freien Welt daran, dass die Tibeter gewaltsam unterdrückt werden, war termingerecht aufgefrischt. Etwas zu professionell.


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