Für jede Gewichtsklasse: AKTIV im Norden

Industriewaagen

Für jede Gewichtsklasse


Wer genau hinsieht, kann schon vor der Werkhalle erkennen, womit Sartorius Mechatronics in Hamburg sein Geld verdient.Dort steht ein tonnenschwerer Stickstofftank auf drei Beinen, und jedes Bein ruht auf einem unscheinbaren Zylinder von der Größe einer Konservendose. „Das ist unser Hauptprodukt“, sagt Gerald Petzold, der die Sensorfertigung der Firma leitet. „Mit diesen Wägezellen können wir das Gewicht und damit den Füllstand des Tanks jederzeit exakt bestimmen.“

Ob flüssige Gase, Schüttgut oder ganze Lkws: Beim Wiegen setzt die Industrie auf diese Technik. Geschäftsführer Bodo Krebs erklärt: „Mit unseren Zellen lassen sich Lasten von 30 bis 520.000 Kilogramm sehr exakt wiegen. Eingesetzt wird das unter anderem in der Süßwaren-Herstellung und in Großbäckereien.“

Wer vorgelassen wird ins Allerheiligste von Sartorius, wo das Herz der Wägezellen entsteht, kommt in eine besondere Welt. Die Abteilung ist in eigenen Räumlichkeiten untergebracht, denn Reinheit ist das oberste Gebot bei der Herstellung der Sensoren.

Strukturen aus wenigen Atomen

Abteilungsleiter Gerald Petzold reicht zur Begrüßung einen weißen Kittel, der für alle Besucher vorgeschrieben ist, und öffnet die Tür. Die Innenausstattung erinnert ein bisschen an die Fertigungsräume der Halbleiter-Branche.

„Kein Zufall“, sagt Petzold, „unsere Produktionsabläufe ähneln sich.“ Wie zur Bestätigung hält er eine metallbeschichtete Trägerplatte hoch, auf der unter der Lupe feinste Strukturen zu erkennen sind: „Hier sehen Sie die Dehnungsmessstreifen, mit denen die Sensoren arbeiten. Die Strukturen sind so klein, dass man sie mit bloßem Auge nicht sehen kann.“

Die Technik ist nicht neu, das Prinzip wurde bereits 1856 beschrieben. Man erkannte damals, dass der elektrische Widerstand eines Drahts sich ändert, wenn dieser in die Länge gezogen wird.

Petzold: „Das nutzen wir. So einen Dehnungsmessstreifen muss man sich vorstellen wie einen Draht, der in mehreren Windungen nebeneinander auf einer kleinen Platte liegt.“ Wird die Platte gebogen, ändert sich auch die Länge des Drahtes und damit der Widerstand, der von einem Messgerät angezeigt wird. Je stärker die Verformung, desto stärker das Signal.

Keine Angst vor der Konkurrenz aus Asien

Und was hat das alles mit Wiegen zu tun? Petzold: „Ganz einfach. In der Wägezelle steckt ein Bauteil, das sich minimal verformt, wenn man eine Last drauflegt. Diese Verformung wird durch den Dehnungsmessstreifen ermittelt und von der eingebauten Elektronik so umgerechnet, dass am Ende eine Gewichtsangabe dabei rauskommt.“

Die Sensoren, die in Petzolds Abteilung entstehen, werden anschließend in die verschiedenen Wägezellen-Modelle eingebaut und anschlussfertig verkabelt. Eine hermetisch abgeschlossene Dose schützt die empfindliche Technik vor Schmutz und Feuchtigkeit.

Geschäftsführer Bodo Krebs: „Die Komponenten sind sehr zuverlässig und extrem langlebig. Es gibt Kunden, die seit über 20 Jahren mit den gleichen Wägezellen arbeiten, ohne dass ein Teil ausgetauscht werden musste. Deshalb haben wir auch keine Angst vor der Konkurrenz aus Asien. Unsere Qualität kann man nicht kopieren.“

Stolz ist man bei Sartorius Mechatronics auch auf die Auszeichnung, die das Unternehmen in diesem Jahr für „vorbildliche Leistungen hinsichtlich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes“ erhielt. In der Begründung des Amts für Arbeitsschutz wird lobend erwähnt, dass es neben einer Gesundheitsvorsorge durch den Betriebsarzt eine Suchtberatung, Massagen und autogenes Training für die Belegschaft gibt.

Geschäftsführer Krebs: „Wir nehmen unsere gesellschaftliche Verpflichtung ernst. Dazu gehört für uns auch, dass wir pro Jahr bis zu fünf Azubis ausbilden, obwohl das mit viel Aufwand verbunden ist.“

Technik steckt auch im Holzpellet-Tank

Krebs nutzt die Produkte seiner Firma übrigens selbst. Er heizt daheim mit Holzpellets, die in einem großen Stahltank gebunkert werden. Und der steht, klar, auf Wägezellen von Sartorius. Krebs: „Früher musste man immer mit der Taschenlampe in so einen Tank reinleuchten, um zu sehen, wie viel noch drin ist. Jetzt reicht ein Blick auf das Display.“

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Sartorius Mechatronics T&H GmbH

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Sartorius Mechatronics T&H GmbH
Meiendorfer Straße 205
22145 Hamburg

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