?Formel 1 in der Schule?: Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft in Singapur: AKTIV im Norden

Mit Vollgas an die Poleposition

„Formel 1 in der Schule“: Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft in Singapur

Die Konkurrenz war hart. Beinhart. 150 Schüler aus Hamburg, die meisten davon Jungs, hatten wochenlang für diesen einen Tag gearbeitet, um bei der Landesmeisterschaft des Wettbewerbs „Nordmetall Cup Formel 1 in der Schule“ auf dem Siegertreppchen zu landen und sich ein Ticket für die Deutsche Meisterschaft zu sichern.

Unter ihnen auch ein reines Mädchen-Team, das in der Altersklasse „Ü 14“ unter dem Namen „Top Speed 1“ ins Rennen ging. Und der Name war offenbar Programm – den vier Schülerinnen gelang eine kleine Sensation: Sie hängten fast alle anderen Teams ab und wurden das erste weibliche Vizemeister-Team in der Geschichte des Hamburger Nordmetall-Cups.

Mit dieser Premiere ergatterten die vier einen Startplatz bei der Deutschen Meisterschaft in Hockenheim – und eine Chance auf die Teilnahme an der Weltmeisterschaft, die Mitte September in Singapur stattfindet.

Mit 80 Stundenkilometern über die Modell-Piste

Der Erfolg ist das Ergebnis einer perfekten Teamleistung – nicht anders als bei den „Großen“ im internationalen Formel-1-Business. Auf Basis des 44-seitigen Wettbewerbs-Regelwerks haben die Mädchen in monatelanger Tüftelarbeit einen kleinen Formel-1-Wagen entwickelt, konstruiert und gebaut, der exakt 53 Gramm wiegt. Das etwa 20 Zentimeter lange Geschoss aus Balsaholz wird vom Gasdruck einer handelsüblichen CO2-Patrone angetrieben und erreicht auf einer genormten 20-Meter-Bahn Geschwindigkeiten von über 80 Stundenkilometern.

Die Jüngste in der Vierer-Gruppe ist die 14-jährige Mareike Tiemann, die als „Ressourcen-Managerin“ fungiert. Was bedeutet das konkret? „Ich achte auf die Finanzen und Möglichkeiten des Teams“, erklärt die Schülerin. „Außerdem kümmere ich mich um das Sponsoring und stehe in direkter Verbindung zu den Sponsoren.“ Eine anspruchsvolle Aufgabe, vor allem für einen Neuling im Renngeschäft, denn Mareike ist zum ersten Mal dabei.

Für ihre drei Mitstreiterinnen, die wie Mareike das Matthias-Claudius-Gymnasium in Wandsbek besuchen, ist es bereits die zweite Rennsaison. Im vergangenen Jahr waren sie noch mit drei Jungen zusammen in einem Team. „Den Jungs wurde es dann ein wenig zu stressig“, erzählt die 16-jährige Alissa Heinke. „Jetzt sind wir ein reines Mädchenteam geworden. Wir lernen in vielen Dingen dazu, beispielsweise beim Ressourcen- und Produktmanagement sowie im Konstruktionsbereich und Grafikdesign.“

Und wie unterscheiden sie sich von den anderen Teams? „Wir haben das bis jetzt nur in unseren Teamfarben ausgedrückt, bei denen wir ein wenig femininer geworden sind“, sagt Alissa, „ansonsten merkt man keinen direkten Unterschied.“

Es geht auch darum, sich überzeugend zu präsentieren

Das kann Andreas Spangenberg nur bestätigen. Er ist der verantwortliche Formel-1-Lehrer am Matthias-Claudius-Gymnasium, das diesmal insgesamt acht Mannschaften ins Rennen geschickt hatte.

Spangenberg: „Das Besondere an diesem Wettbewerb ist, dass es um mehr geht, als ein Auto möglichst schnell zu machen. Genauso wichtig ist es, andere Leute zu begeistern – von der eigenen Idee, vom eigenen Konzept.“ Das sei etwas, „was dann in der Schule und im Unterricht sehr gut umgesetzt wird“.

Genau das will „Formel 1 in der Schule“ bewirken. Der internationale Wettbewerb richtet sich an Schüler von 11 bis 19 Jahren, mit dem Ziel, die von der „großen“ Formel 1 ausgehende Faszination zu nutzen. Die Organisatoren möchten den Jugendlichen einen praxisnahen Einblick in die Bereiche Produktentwicklung, Technologie und Wissenschaft geben und „berufliche Laufbahnen in der Technik und in der Wirtschaft“ fördern.

Bei den Hamburger Vizemeisterinnen von „Top Speed 1“ hat’s funktioniert – sie sind mit Begeisterung dabei. Nun bereiten sie sich intensiv auf die Deutsche Meisterschaft vor, die am 9. und 10. Mai in Hockenheim ausgetragen wird. Wir drücken dafür schon mal die Daumen. Und für die anschließende Weltmeisterschaft in Singapur natürlich auch.

Nordmetall Cup Formel 1 in der Schule

Spielerisch lernen

„Nordmetall Cup Formel 1 in der Schule“ ist Teil eines international ausgetragenen Technologie-Wettbewerbs, bei dem Schülerteams im Alter von 11 bis 19 Jahren einen Miniatur-Rennwagen am Computer entwickeln, fertigen und anschließend ins Rennen schicken. Peter Golinski, Bereichsleiter Bildung bei der Nordmetall-Stiftung: „Beim Nordmetall-Cup erfahren die Schüler ganz praktisch, wie ein Industrieprodukt entsteht: von der Finanzierung über die Konstruktion und Produktion bis zum Marketing.“


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