Fett im Geschäft: AKTIV im Norden

Reportage

Fett im Geschäft

Die Einzelteile für die Maschinen werden in Norderstedt von Spezialisten wie Bernd Tessmer gefertigt. Foto: Müller


Chr. Bock & Sohn ist der Weltmarktführer für ganz besondere Maschinen

Norderstedt. Quizfrage: Woher kommt eigentlich die Redewendung „Alles in Butter“? Die Antwort überrascht. Der Spruch entstand im Mittelalter, als es noch keine moderne Verpackungstechnik gab. Also legte man zerbrechliches Gut wie Porzellan in Fässer und goss warme Butter hinein. Danach musste man nur noch warten, bis die Butter erstarrte und so das Geschirr perfekt beim Transport schützte.

Butterfässer gibt es längst nicht mehr, stattdessen werden Butter und ähnliche Speisefette in handlichen Blöcken geliefert. Die Technik dafür kommt aus Norderstedt bei Hamburg. Dort sitzt die Firma Chr. Bock & Sohn, die als weltweit führender Hersteller von Verpackungsanlagen für industrielle Speisefette gilt.

Eine dieser Maschinen wird gerade in der Halle des Betriebs versandfertig gemacht. Geschäftsführer Stephan Drinkuth, der die Familienfirma gemeinsam mit seinem Bruder Michael leitet, erklärt das Funktionsprinzip: „Die BPM 2000 ist der Bestseller unter unseren vollautomatischen Verpackungsanlagen. Das Fett wird von oben über eine Rohrleitung zugeführt, in Form gebracht und in ein spezielles Papier eingeschlagen.“ Hinten kommen dann die fertigen Platten raus – und zwar genau in der Größe, die der Kunde braucht.

Das klingt einfach, ist aber alles andere als trivial. Butter und andere Fette sind ex­trem empfindlich und schwer zu handhaben. Ist es zu warm, wird alles flüssig; ist es zu kalt, verstopfen die Leitungen, weil das Material zu hart wird.

Montage-Reisen nach Neuseeland

Dass es bei Bock trotzdem wie geschmiert läuft, hat mit dem gesammelten Know-how aus rund 80 Jahren Firmengeschichte zu tun. Gründer Christian Bock, der Urgroßvater der heutigen Inhaber, hatte sich bereits in der Molkereibranche einen Namen gemacht, als er 1933 mit dem Bau handbetriebener Formpressen für Speisefette begann. Anfangs ging es noch um kleine Packungsgrößen, später konzentrierte sich die Firma auf große Einheiten und baute fortan Maschinen, mit denen Speisefett für industrielle Abnehmer verpackt wird.

Für einen normalen Haushalt sind diese Pakete ungeeignet; sie wiegen bis zu 25 Kilo und finden Einsatz in Bäckereien, Großküchen und anderen Gastronomiebetrieben.

Pro Jahr entstehen so in Norderstedt 15 bis 20 Maschinen, die fast alle ins Ausland gehen. Vertriebschef Gerd Ketterer: „Unser Exportanteil liegt bei über 90 Prozent, deshalb ist ein großer Teil unserer 35 Mitarbeiter eigentlich immer unterwegs. Aktuell haben wir zum Beispiel Aufträge aus Russland und Polen, und demnächst fliegt einer unserer Monteure für zwei Wochen nach Neuseeland, um dort eine Verpackungslinie in Betrieb zu nehmen.“

Neuseeland zählt zu den wichtigsten Kunden des Unternehmens, denn dort wird noch mehr Butter produziert als in Deutschland. Rund 500.000 Tonnen sind es pro Jahr, Tendenz steigend.

Viertagewoche als Standard

Der hohe Auslandsanteil ist auch ein Grund dafür, dass Chr. Bock & Sohn – anders als viele vergleichbare Firmen der M+E-Branche – großen Wert auf englische Sprachkenntnisse bei seinen Mitarbeitern legt. „Wer bei uns anfängt, hat zwangsläufig irgendwann Kontakt zu ausländischen Kunden“, erklärt Stephan Drinkuth. „Da wäre es für beide Seiten schwierig, wenn man sich nur mithilfe eines Dolmetschers verständigen könnte.“

Und noch etwas ist bei Bock anders. Die Mitarbeiter im gewerblichen Bereich haben alle eine Viertagewoche. Der Freitag ist frei, sofern nicht dringende Aufträge oder Auslands-einsätze anstehen.

Die Belegschaft weiß das zu schätzen. Bastian Köhler aus der Service-Abteilung: „Diese Regelung wurde vor etwa acht Jahren eingeführt und kommt gut an. Damit die reguläre Zahl an Wochenstunden zusammenkommt, wird an den übrigen Tagen einfach etwas länger gearbeitet.“

Clemens von Frentz

 

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CHR. BOCK & SOHN GmbH & Co KG

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CHR. BOCK & SOHN GmbH & Co KG
An'n Slagboom 43-45
22848 Norderstedt

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