Federn für alle Fälle: AKTIV im Norden

Ein kleiner Familienbetrieb in Hamburg zählt zu den Großen seiner Branche

Federn für alle Fälle


Wer Heidorn, Erdmann und Koch zum ersten Mal besucht, fühlt sich wie auf einer Zeitreise in längst vergangene Jahrzehnte. Die Familienfirma aus Hamburg produziert Federn – ein klassisches Massenprodukt, aber die Räumlichkeiten erinnern an eine Manufaktur. Geschäftsführer Andreas Koch lacht. „Stimmt“, sagt er, „viele Leute stellen sich die Herstellung von Federn wohl anders vor. Größer, lauter und irgendwie industrieller. Aber das hier ist eben immer noch echtes Handwerk.“

Die Heidorn, Erdmann und Koch GmbH (HEK) zählt in ihrer Sparte zu den wichtigsten Anbietern Norddeutschlands – ob für Kugelschreiber oder Schiffsklappen. Der Betrieb wurde in den frühen 50er-Jahren gegründet und fusionierte 1981 mit einem Wettbewerber. Seitdem sitzt die Firma im Stadtteil Stellingen unweit von Hagenbecks Tierpark. 16 Jahre später übernahm Gründer-Sohn Andreas Koch mit seiner Schwester Monika die Geschäftsleitung.

Gewickelt wie eine Spaghetti-Nudel

Viele der 21 Mitarbeiter sind aber schon wesentlich länger dabei. Einer von ihnen ist Helmut Glißmann, der Mitte der 80er-Jahre dazustieß und heute Fertigungsleiter ist. Er bedient die große Wickelmaschine, die Stahldrähte bis zu 28 Millimetern Dicke verarbeiten kann. „Wollen Sie mal sehen, wie schnell das geht?“, fragt Glißmann und fixiert ein Drahtende an der waagerechten Welle seiner Maschine. Ein Tritt aufs Pedal, und schon legt sich der daumendicke Federstahldraht in engen Spiralwindungen um die Spindel – als wäre es eine Spaghetti-Nudel, die man um den Kochlöffel wickelt.

Glißmann: „Beim Biegen wirken enorme Kräfte. Wie groß die sind, kann man sehen, wenn der Draht bricht. Vor einiger Zeit ist das mal passiert, weil das Material fehlerhaft war. Das Bruchstück zischte wie ein Geschoss durch die Halle, aber zum Glück wurde niemand geroffen.“

Nach dem Wickeln wird die Feder per Flex oder Hydraulikschere von der Drahtrolle abgetrennt und von der Spindel gezogen. Je nach Auftrag muss sie dann noch an ihren Enden geschliffen oder gerichtet werden, einige Modelle erhalten zudem eine Lackierung.

Glißmanns Maschine zählt zu den ältesten im Betrieb, aber er und seine Kollegen schwören auf die betagte Technik. Ramazan Atakul etwa sitzt an einem Modell, das seit 35 Jahren bei HEK ist, genauso lange wie er selbst. „Die Maschine läuft und läuft“, sagt er. „Da ist alles analog, und falls mal ein Teil ausfällt, kann man es selbst reparieren.“

Ganz ohne moderne Technik geht es jedoch auch nicht, denn viele Kunden wollen Spezialfedern, bei denen es auf jeden Mikrometer ankommt. Für diese Fälle hat HEK einige CNC-Maschinen, die selbst kleinste Federn mit hoher Genauigkeit produzieren.

Unendlich viele Formen und Größen

Zudem gibt es längst so viele Federtypen, dass rechnergestützte Produktion unverzichtbar ist. Jürgen Bendorf, Fertigungsleiter Blatt- und Formfedern: „Ich bin jetzt seit 1975 dabei, und eigentlich sollte man meinen, dass ich schon alle Federn dieser Welt kenne. Trotzdem sehe ich immer wieder neue.“

Sein Chef bestätigt das. „Es gibt bei Federn nichts, was es nicht gibt“, sagt Andreas Koch. „Neulich bekam ich sogar einen Anruf von einem Lehrer. Der wollte mit Schülern ein altes Katapult nachbauen und suchte nun die passende Feder dafür.“

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Heidorn, Erdmann u. Koch GmbH

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Heidorn, Erdmann u. Koch GmbH
Doerriesweg 12
22525 Hamburg

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