Explosionsgeschützte Motoren kommen aus Nordenham: AKTIV im Norden

Damit nichts um die Ohren fliegt

Explosionsgeschützte Motoren kommen aus Nordenham


Der Tag, an dem die Chinesen kamen, war ein Donnerstag. Ein ganz normaler Arbeitstag im Herbst 2011, der für die rund 200 Mitarbeiter von ATB Nordenham nicht gut angefangen hatte, weil ihr damaliger Eigentümer nach einer Pleite kurz vor der Zerschlagung stand. Die Zukunft des Elektromotoren-Bauers war ungewiss, die Stimmung entsprechend bescheiden.

Das änderte sich mit den Besuchern aus Fernost. Als die Delegation der Wolong Holding am nächsten Tag wieder abreiste, hatte ATB nicht nur einen neuen Besitzer, sondern auch die Zusage für umfangreiche Investitionen.

„Der Einstieg von Wolong war ein echter Glücksfall für uns“, sagt Geschäftsführer Harald Lutz, der ATB Nordenham seit 2006 leitet. „Unser neuer Eigentümer hat bislang alle Versprechen gehalten: Der Personalstand blieb unverändert, es gab keine harten Einschnitte, und für den Ausbau wurde eine Summe von 10 Millionen Euro bewilligt. Die Baumaßnahmen haben bereits begonnen.“

16.000 Motoren pro Jahr

Ein Rundgang über das Werkgelände am Helgoländer Damm bestätigt das. Von den drei geplanten neuen Hallen ist eine im Rohbau fertig, zwei weitere werden gerade errichtet.

In der Fertigungshalle daneben läuft die Produktion auf Hochtouren. Geschäftsführer Lutz: „Unsere Spezialität sind  explosionsgeschützte Elektromotoren. Gebraucht werden solche Antriebe vor allem dort, wo mit explosionsgefährdeten Stoffen wie Gasen und Stäuben gearbeitet wird, etwa in chemischen und petrochemischen Anlagen, aber auch auf Öl- und Gastankern.“

Einsatz finden die Motoren unter anderem in Kompressoren, Pumpen und Rührwerken. Insgesamt 500 verschiedene Modelle hat das niedersächsische Unternehmen im Angebot, die stärksten davon mit einer Arbeitsleistung von 1.400 Kilowatt (1.900 PS) und einem Gewicht von annähernd vier Tonnen.

Obwohl pro Jahr immerhin 16.000 Motoren in dem Nordenhamer Werk produziert werden, läuft die Fertigung erstaunlich ruhig ab. Von Hektik ist in der Halle wenig zu merken, auch das in vielen Betrieben übliche Fließband sucht man vergebens.

„Kein Zufall“, sagt Dietrich Woldt, verantwortlich für IT, Organisation und Infrastruktur. „Massenproduktion findet bei uns nicht statt, die überlassen wir anderen. Wir sind ein klassischer Nischen-Player und betreiben in erster Linie Einzelstückfertigung. Da ist noch viel Handarbeit im Spiel.“

Zu besichtigen ist das unter anderem am Arbeitsplatz von Romuald Kuchnia. Der 47-Jährige steht an einer fast antiquiert erscheinenden Maschine, mit der blanker Kupferdraht gebündelt und auf eine hölzerne Form gewickelt wird. So entstehen die Wicklungen, die später in den Motor eingesetzt werden.

Einige Stationen weiter steht Kuchnias Kollege Horst Köpke mit einem großen Gummi-hammer und klopft die eingebauten Drahtwicklungen so lange zurecht, bis alles passt. „Dafür braucht man Feingefühl und Augenmaß“, erklärt Woldt. „Eine Maschine könnte das kaum leisten – zumindest müsste man sie jedesmal auf die verschiedenen Modell-Größen einstellen.“

Ausbildung spielt eine große Rolle

Besonders stolz sind die Nordenhamer auf die Ausbildung im eigenen Haus, die in den vergangenen Jahren noch ausgebaut wurde. Personalchefin Christa von Nethen: „Wir haben derzeit 21 Azubis, 18 im gewerblichen und 3 im kaufmännischen Bereich. Damit liegt die Ausbildungsquote bei über 10 Prozent. Außerdem bieten wir die Möglichkeit eines dualen Studiums an.“

Das Ausbildungszentrum befindet sich in einer Halle, in der früher die Werkzeuge gebaut wurden. Fast alle Azubis, die hier gelernt haben, sind der Firma treu geblieben.

Geschäftsführer Harald Lutz: „Das ist ein Teil unseres Erfolgsgeheimnisses. Wir haben nicht nur gute Produkte, sondern auch eine tolle Truppe.“

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Helgoländer Damm 75
26954 Nordenham

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