?Es ist wichtig, die neuen Differenzierungsmöglichkeiten verantwortlich zu nutzen?: AKTIV im Norden

Nico Fickinger zum Tarifvertrag der Metall- und Elektro-Industrie

„Es ist wichtig, die neuen Differenzierungsmöglichkeiten verantwortlich zu nutzen“

Das war eine schwere Geburt: Fast drei lange Monate haben Arbeitgeber und Gewerkschaften um einen Tarifkompromiss in der Metall- und Elektro-Industrie gerungen. Auch Nordmetall und die IG Metall Küste haben es sich in diversen großen und kleinen Runden nicht leicht gemacht, die anfangs weit auseinanderliegenden Angebote und Forderungen anzugleichen. Aber am Ende ist es gelungen, sich zu einigen – mit drei Kernpunkten:

1. Die Arbeitszeitgestaltung unserer Mitarbeiter wird deutlich flexibler. Viele wollen länger als 35 Stunden in der Woche arbeiten, wie wir aus Umfragen der Gewerkschaft und der Arbeitgeber wissen. Das wird nun einfacher und für mehr Menschen in der M+E-Branche möglich sein. Auch diejenigen, die ihre Arbeitszeit reduzieren wollen, weil sie Angehörige pflegen oder Zeit für ihre Kinder haben wollen, haben jetzt mehr Spielraum. Die größere Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung wird es ermöglichen, noch besser auf die Wünsche der Kunden einzugehen und so die eigene Marktposition zu sichern.

2. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags beträgt 27 Monate. Betriebe und ihre Mitarbeiter können jetzt bis ins Jahr 2020 vorausplanen, jeder nach seinen Bedürfnissen. Das schafft Sicherheit auf der Kostenseite, aber auch Planbarkeit in Sachen Arbeitseinsatz oder Freizeit.

3. Die Lohnerhöhung um 4,3 Prozent in diesem Jahr plus zweier Einmalzahlungen von 100 beziehungsweise 400 Euro sowie einer tariflichen Leistung von 2,3 Prozent in 2019 sind ein sehr ordentlicher Schluck aus der Pulle. Viele Betriebe werden es angesichts der schon jetzt sehr hohen Arbeitskosten nicht leicht haben, derartige Summen zu schultern, manche wird es überfordern. Umso wichtiger ist es, die Differenzierungsmöglichkeiten verantwortlich zu nutzen und dort, wo nötig, Marsch-Erleichterung zu gewähren.

Millionenschwere Belastungen durch Produktionsausfälle

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Warn- und 24-Stunden-Streiks die Verhandlungen nicht erleichtert haben. Im Gegenteil, jetzt bleiben viele Betriebe angesichts der Produktionsausfälle auf Millionenkosten sitzen. Wenn wir uns für die nächste Tarifrunde in gut zwei Jahren etwas wünschen könnten, dann das: Gelassenere Verhandlungen und weniger volkswirtschaftlichen Schaden durch unnötige Arbeitsniederlegungen.


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