Energiewende: Windkraft-Industrie braucht mehr politische Unterstützung: AKTIV im Norden

Kommentar

Energiewende: Windkraft-Industrie braucht mehr politische Unterstützung

Steife Brise: Auf die Offshore-Industrie im Norden warten große Aufgaben. Foto: Fotolia

„Wind of change“ – das Lied der Scorpions passte perfekt zu diesem Ort: dem Hamburger Messegelände. Nirgendwo sonst konnte man in letzter Zeit so gut beobachten, was sich aktuell in unserer Industrie tut. Direkt im Anschluss an die große Schiffbaumesse SMM öffnete erstmals die „WindEnergy“ ihre Tore. Und was passierte? Viele Aussteller der SMM ließen ihre Messestände einfach stehen. Dahinter steckt Zuversicht: Was sich im traditionellen maritimen Geschäft gut verkauft hat, soll auch auf neuen Feldern funktionieren.

Strukturwandel geschieht oft schleichend. Wir hier im Norden haben jedoch das Glück, diesen Wandel mit Händen greifen zu können: Werften bauen Offshore-Anlagen, maritime Zulieferer punkten mit jahrzehntelanger Erfahrung nun auch bei Anbietern erneuerbarer Energien.

Mich beeindruckt, wie selbstbewusst viele Firmen ihre Chance in neuen Märkten suchen. Die Energiewende und gerade die Offshore-Windkraft als einzige grundlastfähige Energie sind eine riesige Chance für den Norden. Was mich aber besorgt, sind Äußerungen von Unternehmern, die Stimmung in der Windkraft-Industrie sei besser als die Lage. Sie bemängeln vor allem die unzureichende politische Unterstützung.

Richtig ist: Der „Kraftakt Energiewende“ kostet viel Geld. Geld, das eine Investition in die Zukunft unseres Landes sein könnte. Dieses Geld bleibt allerdings nicht automatisch in inländischen Betrieben. Hier ist die Politik gefragt: Was nützt uns ein Windpark in der Ostsee, wenn die Plattform dafür aus Spanien kommt?

Ich fände es fatal, wenn wir – wie schon beim Fax, beim Fernseher, beim Fotoapparat – auch bei der Windkraft zwar die Erfinder bahnbrechender Technologien wären, am Ende aber zusehen würden, wie andere Länder die Ernte einfahren. Ohne kluge Interessenvertretung droht aus dem Wind des Wandels heftiger Gegenwind zu werden.

Dies zu verhindern, sollten alle Beteiligten als Auftrag empfinden.


Der Autor

Nico Fickinger ist Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord, die „AKTIV im Norden“ möglich machen.

Diskutieren Sie mit ihm: nordwort@aktivimnorden.de

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