Energiewende: Nordic Yards baut Riesen-Trafo für die Nordsee: AKTIV im Norden

Gelber Gigant

Energiewende: Nordic Yards baut Riesen-Trafo für die Nordsee


Falls die Macher vom „Guiness-Buch der Rekorde“ noch Stoff für die nächste Ausgabe brauchen: Wir hätten da einen Tipp. Allerdings müssten sie zum Vermessen raus auf die Nordsee fahren. Dort steht, rund 70 Kilometer westlich von Sylt, seit einigen Tagen die Umspann-Station Sylwin alpha. Im Auftrag von Siemens hat das Unternehmen Nordic Yards die bislang leistungsstärkste und größte Konverter-Plattform in der deutschen Bucht gebaut.

Fast alles an dem Riesen-Trafo ist rekordverdächtig. 15.000 Tonnen hochwertiger Stahl wurden verbaut, um den gelben Giganten zu errichten, der den Strom der drei Windparks Dantysk, Sandbank und Butendiek zum Festland schicken wird. Weitere 10.000 Tonnen wiegt die Unterkonstruktion, auf der die Plattform ruht. Im Inneren des Würfels wurden insgesamt 600 Kilometer Kabel gezogen, und für die Übertragung des Stroms zur Landstation in Büttel an der Elbe musste ein Seekabel mit 160 Kilometern Länge gefertigt werden. Auch das ist ein Rekord, denn die bisher verlegten Kabel für Offshore-Netzanschluss sind alle kürzer.

Jede einzelne Schweißnaht auf der Station wird akribisch geprüft

Die Plattform Sylwin Alpha, die ab 2015 den Strom der drei Windparks in der östlichen Nordsee transportieren soll, hat eine Nennleistung von 864 Megawatt. Genug Energie, um rund 900.000 deutsche Haushalte zu versorgen.

Besonders stolz sind die Plattformbauer auf das hohe Qualitätsniveau ihrer Arbeit. Bauleiter Carl-Friederich Zimmermann klopft gegen einen Träger im Treppenhaus der Anlage: „Hier ist alles genormt und zertifiziert. Jede einzelne Schweißnaht wurde akribisch geprüft, und alle Systeme sind doppelt und dreifach getestet.“

Wie zur Bestätigung ertönt wenige Sekunden später laute Musik im Inneren der Plattform. Zimmermann lacht. „Ein Test“, sagt er. „Es gibt etliche Lautsprecher in der Anlage, die alle angeschlossen und kontrolliert werden müssen, ehe wir das Dock von Nordic Yards verlassen.“

Die Rostocker Werftengruppe, die mittlerweile an drei Standorten aktiv ist, hat reichlich Erfahrung mit dem Bau derartiger Plattformen. Sylwin alpha ist bereits die dritte Konverterstation, die das Unternehmen für Siemens und den Netzbetreiber Tennet errichtet hat. Von Standardproduktion kann trotzdem keine Rede sein. „Was wir hier bauen, sind alles Unikate“, sagt Nordic-Vertriebschef Andreas Amelang. „Das macht die Sache so anspruchsvoll.“

Lärmschutz für die Schweinswale vor Sylt

Siemens-Manager Tim Dawidowsky nickt. Er leitet seit Mitte 2012 die Konzern-Sparte „Transmission Solutions“ und ist damit für das gesamte Projektgeschäft im Netzbereich verantwortlich. „Wir alle haben hier völliges Neuland betreten“, sagt er. „Für diese Projekte gab es kein Vorbild. Es gab keinen Kollegen, keinen schlauen Professor, den man hätte fragen können, wie es funktioniert.“

Ähnliche Wissensdefizite hatten die zuständigen Behörden. Die Genehmigungsverfahren verliefen daher sehr zäh. Eine zentrale Frage war, wie Umspann-Stationen grundsätzlich einzuordnen sind. Wie ein Schiff? Oder wie eine herkömmliche Ölplattform?

Zusätzlichen Diskussionsbedarf lieferte der Umweltschutz. So wurden beispielsweise die Bauarbeiten im Meer durch ein zeitweiliges Rammverbot behindert, weil Ökologen einen Lärmschutz für Schweinswale einforderten.

Am Ende konnten alle Fragen geklärt und alle Probleme gelöst werden. Anfang Juli, kurz vor dem Finale der Fußball-WM in Brasilien, war Sylwin Alpha nach zwei Jahren Bauzeit fertig. Die Plattform wurde ausgedockt und auf einer speziellen Ponton-Konstruktion hinaus aufs Meer gezogen.

Keine einfache Aufgabe, immerhin wiegt der 26 Meter hohe Stahlkoloss so viel wie 42 vollgetankte Flugzeuge vom Typ Airbus A380. Einen wesentlichen Anteil daran haben die zwei Transformatoren im Bauch der Plattform, die mit jeweils 80 Tonnen Öl gefüllt sind und pro Stück annähernd 500 Tonnen auf die Waage bringen.

Gesteuert wird die Konstruktion übrigens aus der Ferne, von Fachleuten auf dem Festland. Die Kabinen auf der Plattform sind nur für die jährliche Revision gedacht. Und natürlich für den Fall, dass ein Team es abends mal nicht mehr nach Hause schafft.

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