Einmal arm, immer arm?: AKTIV im Norden

Gerechtigkeit

Einmal arm, immer arm?


Momentaufnahme: Viele haben es schwer – wie dieser Flaschensammler auf dem Bahnhof. Foto: dpa

Köln. Wie geht es Ihnen wirtschaftlich? 76 Prozent sagen „gut“ oder „sehr gut“, so die Umfrage „ARD-Deutschlandtrend“. Ein Rekordwert, der bisher nur einmal, 1998, gemessen wurde. Aber was ist mit den 24 Prozent, denen es nicht gut geht?

Eine neue Studie des Ins­tituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) relativiert die Vorstellung von einem gespaltenen Land. Der Befund: Viele Arbeitslose und Niedrigverdiener meistern relativ schnell den Sprung in ein besseres Leben. „Jeder Vierte aus der untersten Einkommensschicht schafft innerhalb von zwölf Monaten den Aufstieg“, stellt IW-Forscher Holger Schäfer fest. „Und mittelfristig, innerhalb von sechs Jahren, schaffen das sogar ­83 Prozent.“

Statt nur in einer Momentaufnahme auf den ­Umfang von Arbeitslosigkeit und ­Armut zu schauen, wie es ­in vielen Studien gemacht wird, stellte Schäfer die Frage: Was ist eigentlich aus den­jenigen geworden, denen es vor ein paar Jahren schlecht ging?

Basis ist die beste Datensammlung, die es in Deutschland zu diesem Thema gibt: das „Sozio-oekonomische Panel“, eine jährliche Befragung von immer denselben 20.000 repräsentativ ausgewählten Bürgern. Ökonom Schäfer wollte konkret wissen, was aus den 20  Prozent einkommensschwächsten Bürgern geworden ist – und zwar im Vergleich der Jahre 2005 und 2011.

Das Ergebnis ist überraschend: Von jeweils 100  Personen blieben nur 17 durchgängig in der untersten Schicht. Für alle anderen war der Zustand, relativ knapp bei Kasse zu sein, nur vorübergehend.

45 Prozent der Arbeitslosen fanden innerhalb eines Jahres einen Job

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Thema Beschäftigung: 45 Prozent der Arbeitslosen fanden innerhalb eines Jahres einen Job, innerhalb von sechs Jahren sogar 95 Prozent. Und drei Viertel derer, die von null auf Vollzeit sprangen, hatten auch ein Jahr später noch eine Ganztagsstelle.

Ob einer aufsteigt, hängt vor allem von seiner beruflichen Qualifikation ab. Von den Niedrigverdienern ohne abgeschlossene Berufsausbildung gelang nur 18  Prozent innerhalb eines Jahres der Aufstieg aus dem untersten Einkommensfünftel. Bei denen mit Fachhochschulabschluss waren es 42  Prozent.

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