Ein Herz für Indien: AKTIV im Norden

Mitarbeiterin des Monats

Ein Herz für Indien


Trockene Zahlen sind ihr Beruf, das exotische Indien ist ihre Leidenschaft. Kein Widerspruch für Anja Rachow. Das Know-how der Rechnungswesen-Leiterin beim Schiffbauzulieferer Wiska in Kaltenkirchen sorgt dafür, dass indische Kinder aus armen Familien einen guten Start ins Leben bekommen.

„Wir betreiben eine Art SOS-Kinderdorf für diejenigen, die sonst kaum eine Chance haben“, erzählt die 48-Jährige, die beim Hamburger Verein Dewi Saraswati für die Finanzen verantwortlich ist. Der Verein kümmert sich vor allem um die Mädchen, die in der indischen Gesellschaft seit jeher besonders benachteiligt sind.

Angefangen hat Dewi Saraswati 1992 mit Patenschaften für Kinder. Inzwischen hat der Verein nahe der Stadt Chennai (Madras) ein Grundstück gekauft, eine Schule und Unterkünfte gebaut sowie 30 Arbeitsplätze geschaffen. Rund 130 Kinder leben auf dem Vereinsgelände, weitere 300 Kinder aus der Region besuchen die Schule.

„Die Kleinen sind hoch motiviert und lernen oft bis spät abends“, erzählt Anja Rachow. Mittlerweile haben die ersten Jahrgänge die Schule beendet, einige Absolventen studieren schon.

Anja Rachow ist fasziniert von der Kultur des Subkontinents. „Eigentlich bin ich ein sehr ungeduldiger Mensch“, sagt sie, „doch in Indien lernt man Gelassenheit.“

Die braucht sie auch, wenn es um formale Dinge geht. „Oft muss ich Belege zwei- oder dreimal anfordern, bis endlich etwas passiert.“ Doch die Finanzexpertin bleibt hart und drängelt so lange, bis alles korrekt abgerechnet ist. Schließlich wollen die über 300 Vereinsmitglieder genau wissen, wo ihr Geld bleibt.

„Wir arbeiten alle ehrenamtlich. Die Einnahmen unseres Vereins gehen zu 100 Prozent in das Projekt“

Bis zu zehn Stunden pro Woche ist Anja Rachow für den Verein aktiv. „Wir arbeiten alle ehrenamtlich. Die Einnahmen von etwa 100.000 Euro pro Jahr gehen zu 100 Prozent in das Projekt.“ Das wird auch von neutralen Dritten überprüft: Seit über 15 Jahren ist der Verein mit dem DZI-Spendensiegel ausgezeichnet.

Auslöser für die Indien-Begeisterung der Norddeutschen war ein Schulreferat, das sie in der zehnten Klasse halten musste. „Das Land hat mich sofort fasziniert.“

Nach der Schule begann sie bei Wiska eine Ausbildung zur Industriekauffrau, doch das Thema Indien ließ sie nicht wieder los. „Ich war neugierig und bin Anfang der 90er-Jahre zweimal dorthin gereist.“

Zurück in Deutschland, suchte sie nach einer Möglichkeit, sich für die bitterarmen Menschen zu engagieren und stieg bei dem Verein ein. Parallel machte sie nach einer Weiterbildung zur Bilanzbuchhalterin Karriere bei Wiska und wurde 1992 Leiterin des Rechnungswesens.

„Seither hat sich mein Aufgabenbereich mehrfach erweitert“, erzählt Anja Rachow. Sie übernahm Aufgaben im Controlling und trägt heute die Verantwortung für fünf Mitarbeiterinnen. Sie ist persönlich für den Jahresabschluss sowie die Monatsabschlüsse verantwortlich und berichtet direkt an die Geschäftsführung. „Ich delegiere nicht nur, sondern ich bin mittendrin. Das ist genau mein Ding.“

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