Die Politik muss von der Wirtschaft lernen: AKTIV im Norden

Kommentar

Die Politik muss von der Wirtschaft lernen

Abwarten und abwehren: Das wäre die falsche Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft. Foto: Fotolia

Nicht jeder hätte das für möglich gehalten: Ausgerechnet die Industrie – vielfach als „Wirtschaftszweig von gestern“ verschrien – macht Deutschland besonders stark. Vor allem unsere Metall- und Elektro-Industrie ist zuletzt kräftig gewachsen. Das zeigt eine Studie aus dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Eine Zeitung nannte die M+E-Industrie sogar einen „Kraftprotz“.

Während die meisten traditionellen Industrieländer im weltweiten Wettbewerb Anteile verloren haben (vor allem an China!), hat die deutsche M+E-Industrie ihre starke Position gehalten. Woran liegt das? Die Experten sagen: Die deutschen M+E-Betriebe haben sich früh auf die Globalisierung eingestellt. Und sie haben besonders viel in Forschung und Entwicklung investiert.

Unternehmen und Belegschaften können stolz darauf sein. Einen Grund, gemütlich die Füße hochzulegen, gibt es aber nicht. Bislang haben China und andere Schwellenländer primär für ihren heimischen Markt produziert.

Das wird sich ändern, je stärker diese Länder auf die Weltmärkte drängen. Auch Deutschland muss sich mit seinen Produktions- und Kostenbedingungen, mit seiner Infrastruktur und seinem Bildungssystem auf diese Herausforderungen einstellen.

Aber sind wir dazu in der Lage? Ein kürzlich erschienener Zeitungsartikel macht nachdenklich: Da wird Deutschland als „Oberjammergau“ bezeichnet, als Land der Pessimisten und Nörgler. Wir seien eine „überversicherte Verweigerungsgesellschaft“, skeptisch gegenüber dem Fortschritt. Das stimmt teilweise: Großprojekte wie die Energiewende werden von Bürgerinitiativen gebremst – und statt in die Bildung fließen Steuergelder lieber in die Mütterrente. Kann man mit so einer Haltung bestehen?

Sicher nicht. Das gelingt nur, wenn die Politik von unserer Industrie, ihren Unternehmen und deren Beschäftigten lernt: wie man den Innovationsvorsprung hält, in seine Zukunft investiert und die Konkurrenz nicht unterschätzt.


Der Autor

Nico Fickinger ist Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord, die „AKTIV im Norden“ möglich machen.

Diskutieren Sie mit ihm: nordwort@aktivimnorden.de

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