Die perfekte Naht: AKTIV im Norden

Jugend schweißt

Die perfekte Naht


Das Finale des Bundesjugendwettbewerbs „Jugend schweißt"

Es war ein weiter Weg für Niklas Bansemer (19), auch wenn zwischen seiner Heimatstadt Kiel und Hamburg nur 100 Kilometer liegen. Zunächst musste sich der Werft-Azubi im Metall-Aktivgasschweißen gegen die innerbetriebliche Konkurrenz durchsetzen, dann ging es zu den Bezirksmeisterschaften, anschließend folgten die Landesmeisterschaften.

Und nun steht er endlich hier, im Congress Center Hamburg, wo in den nächsten drei Tagen die Deutsche Meisterschaft der Nachwuchsschweißer ausgetragen wird.

Vor ein paar Tagen haben hier noch 5.000 Urologen getagt, davon ist nichts mehr zu sehen. Ab heute wird wettkampfmäßig geschweißt, von den Besten der Branche. Die Meisterschaft ist eine imageträchtige Veranstaltung, die von den meisten Unternehmen aus dem ganzen Bundesgebiet sehr ernst genommen wird. Es ist die größte Leistungsschau des Schweißer-Nachwuchses im Land.

Das weiß auch Niklas Bansemer. Der Auszubildende der Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) hat in den letzten Wochen noch mal intensiv die Theorie gebüffelt – und sich in seinem Betrieb wie im Trainingscamp vorbereitet. Natürlich wurde er in dieser Zeit von den regulären Arbeitspflichten freigestellt. Sein Ausbilder ist mitgekommen; er ist hier jetzt sein Coach.

Auch die Organisatoren vom Deutschen Verband für Schweißen und verwandte Verfahren (DVS) haben die vergangenen Tage genutzt. Mit Unterstützung von fast 40 Sponsoren wurde in der Halle H eine riesige Werkstatt mit zahlreichen Schweißkabinen aufgebaut.

Zwei Stunden „warmschweißen“

Bansemer bekommt die Kabine mit der Nummer 10 zugewiesen. Insgesamt 50 Männer und eine Frau schweißen um die Meistertitel, in vier verschiedenen Verfahren. Alle sind zwischen 18 und 23 Jahre alt, in 14 Landesverbänden des DVS haben sie sich als die Champions durchgesetzt.

Vertreten sind Azubis und etwas ältere Kollegen aus den Bereichen Metall-, Kraftwerk- und Schiffbau, Fahrzeugtechnik und Heizung-Sanitär. Jeder Teilnehmer tritt in nur einer Disziplin an: im Wolfram-Inertgasschweißen (Branchenjargon: WIG-Schweißen), im Metall-Aktivgasschweißen (MAG-Schweißen), im Gasschweißen oder im Elektroschweißen.

Zwei Stunden lang dürfen sich die Teilnehmer „warmschweißen“ und Blechstücke miteinander verbinden. Bansemer ist hochkonzentriert, aber er hat seine Nerven im Griff. Die innere Anspannung ist ihm kaum anzumerken.

Auch Keno Brunzlow (22), Konstruktionsmechaniker von der Manitowoc Crane Group in Wilhelmshaven, macht beim MAG-Schweißen mit. Er vertritt den Verband Niedersachsen-Bremen. Für ihn geht es um alles, denn dies ist seine letzte Chance, deutscher Champion zu werden: „Bei der nächsten Meisterschaft 2013 bin ich schon zu alt.“

Sein Arbeitgeber hat ihm und seinem Trainer Hotelzimmer spendiert – so müssen sie nicht, wie andere Teilnehmer, in einer Jugendherberge am Stadtrand nächtigen. Das Manitowoc-Team soll ausgeruht an den Start gehen.

Das Warmschweißen ist beendet, der Schiedsrichter pfeift den Wettkampf an. Für Brunzlow, Bansemer und zwölf Mitstreiter, die sich in dieser Disziplin als Sieger in ihren Landesverbänden qualifiziert haben, wird es ernst. Die Schweißbleche sind verteilt, jetzt geht es zur Sache.

Es geht um zehntel Millimeter

Der Job, der auf die MAG-Schweißer wartet, besteht aus drei Einzelaufgaben: zwei 25 Zentimeter lange Stumpfnähte, eine quer und eine aufsteigend, und eine 15 Zentimeter lange Kehlnaht, bei der die Teilnehmer über Kopf arbeiten müssen.

Bansemer nimmt sich die ersten beiden Metallteile und heftet sie vorsichtig mit einigen Schweißpunkten zusammen. Erst dann kann er die eigentliche Naht setzen. Hier ist eine ruhige Hand gefragt, denn Korrekturen sind kaum möglich. Die Naht darf nicht zu dünn sein und nicht zu dick, und natürlich sollte sie möglichst gleichmäßig ausfallen. Bansemer schwitzt. Und das liegt nicht nur an der dicken Spezialmontur.

Nach knapp zwei Stunden kommt der letzte Teilnehmer aus seiner Kabine. Jetzt werden die Stücke begutachtet – akribisch, mit dem Blick für zehntel Millimeter. Heinz M. Klein, der Chef der fünfköpfigen Jury, ist zufrieden. „Bei der Qualität, die hier abgeliefert wurde, muss man sich um die Zukunft der deutschen Schweißergilde keine Sorgen machen“, sagt er.

Ein kleiner Trost für Bansemer und Brunzlow, denn bei ihnen hat es diesmal für einen vorderen Platz nicht gereicht. Und die einzige Frau des Wettkampfs, Rebecca Kespohl (23), die in Hessen arbeitet, ist nur knapp an den Medaillenrängen vorbeigeschrammt. Sie strahlt trotzdem. „Ich bin happy“, sagt sie. Und genießt die anerkennenden Blicke der Konkurrenten.

Jörg Heuer/CvF

Der Wettbewerb

Der Bundeswettbewerb „Jugend schweißt“ läuft seit 1995, in der Regel alle zwei Jahre. Ausrichter ist der Berufsverband DVS (www.dvs-ev.de). Die Teilnehmer treten zunächst auf Bezirks- und Landesverbandsebene an. Die 51 Besten trafen sich kürzlich in Hamburg. In den vier Disziplinen siegten Dominik Böhme, Christian Bormann und Klaus Leupold aus Sachsen sowie Thomas Maske aus dem Saarland.

 

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