Die Lloyd Werft motzt einen Luxusliner auf: AKTIV im Norden

Kreuzfahrtschiffe

Die Lloyd Werft motzt einen Luxusliner auf


Bremerhaven, im Dezember: Im Kaiserdock II der Lloyd Werft herrscht Hochbetrieb. Für drei Wochen ist die „Arcadia“ zu Gast. Der 285 Meter lange Luxusliner wird gründlich überarbeitet und ausgebaut. „Der Zeitplan ist straff“, weiß Holger Reuter, Fachkraft für Arbeitssicherheit, „jeder Tag kostet die Reederei P & O Cruises viel Geld.“

So flogen rund 70 Lloyd-Mitarbeiter der Arcadia entgegen, gingen in der britischen Hafenstadt Southampton an Bord und bereiteten auf dem Rückweg den Ausbau vor. P & O hatte für Deck zehn ein neues, 75 Tonnen schweres Deckshaus bestellt.

Kreuzfahrt-Urlauber erwarten immer mehr Komfort

„Dazu gehören 23 neue Passagierkabinen und eine Suite mit Balkonen“, berichtet Reuter. Künftig können 2.000 Gäste 1.000 Kabinen bewohnen. Darüber: ein neues Sonnendeck, 550 Quadratmeter groß. Auch der Spa-Bereich wird aufgehübscht. „Kreuzfahrt-Urlauber“, so Reuter, „erwarten immer mehr Komfort.“

Die Branche brummt, mehr als sechs Millionen europäische Urlauber zählte der Kreuzfahrtverband Clia 2012, doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Die früher vor allem beim älteren Publikum beliebten Luxusreisen sind heute auch für Jüngere attraktiv und für viele erschwinglich. „Umso wichtiger ist es für die Reeder, dass möglichst viele Passagiere an Bord kommen“, erklärt Reuter.

Auf den größten Schiffen reisen längst über 4.000 Urlauber. Auch aus diesem Grund checkte die erst acht Jahre junge Arcadia im Dezember schon zum zweiten Mal für einen Umbau in der Lloyd Werft ein. Reuter kennt sich deshalb an Bord bestens aus. „Während des Umbaus schnell durch das Schiff zu kommen, ist gar nicht so einfach“, grinst er. Nur wenige Fahrstühle sind in Betrieb, im Restaurant türmen sich abgedeckte Stühle und Tische, an fast jeder Ecke warten Teppichrollen darauf, verlegt zu werden.

„Mehr als 1.500 Menschen von etwa 100 Firmen arbeiten gerade an der Arcadia“, erzählt Reuter. „Da wird oft an mehr als 200 Stellen gleichzeitig geschweißt.“ Eine echte Herausforderung für den Arbeitssicherheitsexperten. Für jeden Auftrag müssen Sicherheitsregeln und Evakuierungspläne erstellt werden. „Im Notfall können wir über das Zugangssystem schnell abfragen, wer noch an Bord ist.“

Liegt ein Schiff im Dock, ist kein Tag wie der andere – Überraschungen gibt es immer

Auch am Unterwasserschiff wird kräftig geschliffen und geschraubt, und die beiden „Pods“ werden komplett überholt. So heißen die um 360 Grad drehbaren Propeller-Gondeln, die vom Schiffsdiesel mit elektrischer Energie versorgt werden und das Schiff bis auf 22 Knoten (rund 41 Stundenkilometer) beschleunigen können. Stabilisatoren, Bugstrahlruder und Seeventile werden ebenfalls überholt. Und außen wird der Rumpf des Schiffs komplett neu gestrichen.

Vorbereitung ist da alles: „Die neuen Kabinen konnten wir auf Rollen durch einen seitlichen Schacht an ihre Position schieben, bevor sie festgeschweißt und eingerichtet wurden“, erklärt Umbau-Projektleiter Sven May, der an diesen Tagen für alle erreichbar sein muss. „Liegt ein Schiff im Dock, ist kein Tag wie der andere – Überraschungen gibt es immer“, fügt er hinzu.

Bei der Arcadia ist es nicht anders: Zwei Tage lang legte Sturm „Xaver“ alles lahm und brachte damit die Planung durcheinander. Eine ärgerliche Zwangspause, aber kein Drama für die Werft – verglichen mit dem, was ein ähnlich starker Sturm Anfang 2004 anrichtete, als die „Pride of America“ in Bremerhaven lag. „Das Schiff kenterte“, erinnert sich Reuter, „die Werft war über Nacht insolvent, und wir standen plötzlich alle vor dem Arbeitsamt.“

Doch auch diese Krise überstand der Traditionsbetrieb. Die Werft bekam die Pride rasch wieder flott und überlebte. Seither sind die rund 350 Lloyd-Kollegen gut beschäftigt, unter anderem wurden zwei TUI-Schiffe umgebaut sowie Fähren, Passagier- und Frachtschiffe verlängert. Auch die Bundesmarine und das Alfred-Wegener-Institut mit seinem Forschungseisbrecher „Polarstern“ sind Stammkunden.

„Es gibt nichts, was wir hier nicht reparieren würden“, sagt Reuter stolz. Natürlich immer pünktlich. Ehrensache. Wie die Arcadia, die – in neuem Glanz – Ende 2013 schon wieder von Southampton nach Australien schipperte. Die neuen Kabinen: ausgebucht.

Die Lloyd Werft Bremerhaven AG

1863 ließ der Norddeutsche Lloyd in Bremerhaven Reparaturwerkstätten errichten. Es folgte der Bau großer Trockendocks. 1973 wurde aus dem Unternehmen die Hapag-Lloyd Werftbetrieb GmbH. 1984 erwarb der Bremer Vulkan Anteile der Lloyd Werft. Aus dem Konkurs des Mutterkonzerns im Jahr 1996 ging die heutige Werft als Spezialist für Umbauten, Wartungsarbeiten und Modernisierungen hervor.

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