Die griechische Krankheit: AKTIV im Norden

Die griechische Krankheit


Auf den ersten Blick gibt es zwischen Athen und Berlin wenig Gemeinsamkeiten. Aber das stimmt nicht

Alle Welt redet von Griechenland und seiner Schuldenkrise. Der europäische Rettungsschirm hält die Schlawiner unter der Akropolis wieder mal zahlungsfähig – wenn auch nur bis September. Man hilft sich eben in Europa, selbst wenn es gegen die geltenden EU-Verträge verstößt.

Am Stammtisch in Deutschland heißt es: „Sollen die Griechen mal tüchtig Sozialabbau betreiben, die haben ja Schulden gemacht, um in Saus und Braus zu leben.“ Entsprechend werden die von der EU verordneten Sparmaßnahmen und der Verkauf griechischen Tafelsilbers beifällig kommentiert. Der Tenor: Griechenland zeigt, dass übermäßige Schulden ins Chaos führen – aber dem starken Deutschland kann das nicht passieren.

Ist das wirklich so? Ein Blick in unsere Staatsfinanzen offenbart, dass auch wir längst an der griechischen Krankheit leiden. Seit Jahren steigen unsere Staatsschulden, und diese werden mit immer neuen Schulden „bezahlt“. Für einen Privatmann unvorstellbar.

 

Allein der Bund wird im kommenden Jahr 40 Milliarden Euro Zinsen zahlen – mehr als für Bildung, Familie, Gesundheit und Entwicklungshilfe zusammen. Für das Sozialministerium dagegen veranschlagt der Haushaltsplan 2012 rund 127 Milliarden Euro, das sind 40 Prozent der gesamten Ausgaben. Soziales auf Pump also auch bei uns. Das sind griechische Verhältnisse!

Dass unsere Schulden von den kommenden Generationen bezahlt werden müssen, wie es oft heißt, ist womöglich untertrieben. Vielleicht steuern wir schon früher auf die Pleite zu, wenn unsere Politiker immer neue soziale Wohltaten im Namen der sozialen Gerechtigkeit gewähren.

Was hätte man gesagt, wenn Sankt Martin damals seinen Mantel mit dem Bettler nicht geteilt, sondern ihn verschenkt hätte, um einen neuen auf Pump zu kaufen? „Er ruiniert sich!“ So ist es.

Elbe

 

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