Die Grenzen der Toleranz: AKTIV im Norden

Kommentar

Die Grenzen der Toleranz

Ansichtssache: Die einen vertrauen auf die Macht der Karten, die anderen nicht. Foto: Fotolia

Erstaunlich, wie tolerant wir alle geworden sind! Wenn sich heute einer als gottlos bekennt, nicken die Gläubigen stumm. Wenn jemand sagt, er sei links und die Welt werde von kapitalistischen Gaunern regiert, dann lassen wir das als moralisch irgendwie wertvoll durchgehen.

Aber natürlich hat unsere Toleranz auch Grenzen, sie gilt natürlich nur der guten Sache. Jüngst im aufgeklärten, sehr toleranten, also grünen Freundeskreis outete sich jemand als Klima-Skeptiker, der empfahl, konsequent auf Atomkraft zu setzen.

Binnen Sekunden erreichte die Stimmung polare Minustemperaturen. Jeder Ansatz von Toleranz war bei den Ökologisten verflogen. „Ist doch alles bewiesen“, zischte jemand, und um des lieben Friedens willen wurde eilig das Thema gewechselt, wie früher, wenn es um Religion ging.

„Hinter falschen Beweisen stehen oft quasi-religiöse Glaubenssätze“

Der Glaube an den Beweis hat jedoch eine lange, höchst zweifelhafte Geschichte. Die Erde war bewiesenermaßen eine Scheibe, und den Hexen wurde der Pakt mit dem Teufel bewiesen. Der Kommunismus als ideale Gesellschaftsform war natürlich ebenso bewiesen wie die Grenzen des Wachstums. Und alle Beweise waren falsch!

Hinter falschen Beweisen stehen oft quasi-religiöse Glaubenssätze. Hier gibt es fatale Ähnlichkeiten zu den intoleranten Ökologisten. Wer falsch glaubt, wird kriminalisiert. Steuern werden erhoben für Kirchen und Öko in den verschiedenen Ausprägungen; der Ablasshandel mit Zertifikaten blüht.

Es gibt wissenschaftliche Hohepriester, und es gibt Weltklimagipfel wie Kirchentage. Das alles und noch mehr gibt reichlich zu denken in einer Welt, die zwar völlig gottvergessen ist, aber an die gute Öko-Welt innig glaubt.

Mit Beweisen natürlich!


Der Autor

Lutz Bauermeister (alias „ELBE“) ist noch bis Ende März 2014 Leiter der Nordmetall-Geschäftsstelle Wilhelmshaven. Mit dieser Kolumne verabschiedet sich unser Autor nach rund 30 Jahren bei AKTIV im Norden und dem Vorgänger-Magazin „Wirtschaft am Wasser“ von seinen Lesern.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Neueste ArtikelBeliebteste Artikel

Leser-Feedback