Dermalog: Der Finger-Scanner für den Flüchtlingsausweis kommt aus Hamburg: AKTIV im Norden

Biometrie

Dermalog: Der Finger-Scanner für den Flüchtlingsausweis kommt aus Hamburg

Monatelang wurde auf politischer Ebene gerungen, nun soll er Mitte Februar kommen: der Flüchtlingsausweis, mit dem die deutschen Behörden für transparente Verhältnisse sorgen wollen. Der „Ankunftsnachweis“, wie das Dokument offiziell heißt, soll nicht nur Geburtsdaten und Namen der Inhaber beinhalten, sondern auch andere Angaben wie Augenfarbe und Körpergröße.

Diese Informationen werden künftig zeitnah nach der Einreise erfasst und zentral gespeichert, um eine klare Identifizierung zu ermöglichen und die Asylverfahren zu beschleunigen. Eines der zentralen Elemente ist die Erfassung und Registrierung der Fingerabdrücke, denn nur so sind die Behörden in der Lage, Personen eindeutig zu identifizieren.

Die Fingerabdruck-Scanner dafür kommen aus Hamburg, wo die Firma Dermalog Identification Systems ihren Sitz hat. Dermalog ist das größte deutsche Biometrie-Unternehmen und international einer der Marktführer seiner Branche. Die Produktpalette reicht von der biometrischen Grenzkontrolle über entsprechende ID-Karten bis hin zum „FingerPayment“-Verfahren, bei dem man bequem und bargeldlos per Fingerabdruck bezahlen kann.

Die Firma wurde 1995 von dem Humanbiologen Günther Mull gegründet, der mittlerweile 170 Mitarbeiter beschäftigt, 150 davon am Stammsitz Hamburg.

Allerdings sitzen sie oft mehr im Flugzeug als am Schreibtisch, da Dermalog seinen Umsatz zu über 95 Prozent im Ausland macht, soMull: „Unsere Hauptmärkte sind Asien, Afrika, Lateinamerika und der Nahe Osten. Dort ist der Bedarf am größten.“

Technik aus Norddeutschland gegen Betrüger in Südamerika

Das liegt auch daran, dass einige dieser Länder lange Zeit keine funktionierende Verwaltung hatten. Beispiel Jemen: Dort gab es bis vor einiger Zeit nicht einmal Personalausweise, was viele Beamte trickreich nutzten, um mit doppelten Identitäten doppelte Bezüge zu kassieren. Dank des Automatischen Fingerabdruck-Identifizierungssystems (AFIS) von Dermalog konnte diese Praxis beendet werden. Ähnlich war es in Brasilien, dort entlarvten die Behörden dank AFIS mehrere Tausend Renten-Betrüger.

Möglich werden solche Erfolge durch den Einsatz hocheffizienter Rechner, die riesige Datenmengen in kürzester Zeit verarbeiten können. Damit gelang unlängst sogar ein Weltrekord: Das „Dermalog Next Generation AFIS“ schaffte es, innerhalb einer Sekunde alle zehn Fingerabdrücke eines Menschen in einer Datenbank mit fast 130 Millionen Fingerabdrücken fehlerfrei zu identifizieren. Geschäftsführer Mull: „Das hat noch kein anderer geschafft, wir haben damit einen neuen Standard gesetzt. Das System ist speziell für die Nutzung in Verbindung mit großen Datenbanken ausgelegt, wie sie beispielsweise bei Grenzkontrollen zum Einsatz kommen.“

Im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsausweis liefern die Hamburger ingesamt 1.800 Scanner an die Behörden. Zum Einsatz kommt das Modell „LF 10“, mit dem sich vier Finger gleichzeitig scannen lassen. Außerdem verfügt das Gerät laut Hersteller über eine „integrierte Fälschungs- und Lebenderkennung“.

Smarte Scanner erkennen falsche Finger sofort

Augenblick, eine „Lebenderkennung“? Was ist das? Mull lacht. „Sie glauben gar nicht, was sich die Leute alles ausdenken, um zu tricksen. Einige versuchen es mit künstlichen Fingern, andere kleben geprägte Folien auf ihre Fingerkuppen. Aber unsere Scanner erkennen das sofort.“

Entwickelt wurde die Methode gemeinsam mit Rechtsmedizinern der Uniklinik Eppendorf. Sie beruht darauf, dass beim Scannen mit verschiedenen Lichtquellen gearbeitet wird. Bestimmte Eigenschaften des Lichts werden von echten Fingern nämlich anders reflektiert als von künstlichen.

Die Software registriert die Unterschiede sofort und lässt nur echte Finger durch. Und sollte jemand auf die Idee kommen, einen abgeschnittenen Finger auf den Scanner zu legen, erkennt das Gerät auch diesen Täuschungsversuch sofort und schlägt Alarm.

Günther Mull ist mit der Materie bestens vertraut, denn die ersten Geräte zum Scannen der Fingerabdrücke hat er selbst entwickelt. Das war in den 90er-Jahren, während seines Studiums in Hamburg. Den Kredit für die Firmengründung bekam er von seinem Vater, und trotz seines internationalen Geschäfts ist er bis heute Mittelständler geblieben. „Ein unschätzbarer Vorteil“, sagt Mull. „Wir sind dadurch extrem beweglich und hoch innovativ. Das wird sich auch nicht ändern.“


Dermalog Identification Systems

20 Jahre am Markt

  • Gegründet 1995 vom Humanbiologen Günther Mull, der in seinem Studium erste Fingerabdruck-Scanner entwickelt hatte. Die Produkte des Unternehmens werden bereits in über 70 Ländern (siehe Karte) eingesetzt.
  • Dermalog ist seit 14 Jahren profitabel und wächst mit zweistelligen Wachstumsraten.
  • Der Betrieb beschäftigt aktuell 170 Mitarbeiter, 150 davon am Stammsitz Hamburg.
  • Anteilseigner ist die Berliner Bundesdruckerei, die Ende 2012 rund 22,5 Prozent übernahm.
  • Der Jahresumsatz liegt bei 40 Millionen Euro. 30 Prozent davon wird in Forschung und Entwicklung reinvestiert.

Begegnung mit …

Kamera-Experte: Bereits im Studium befasste Raul Chitic sich mit Medientechnik. Foto: Werk
Kamera-Experte: Bereits im Studium befasste Raul Chitic sich mit Medientechnik. Foto: Werk

Raul Chitic: Technik- und Tischtennis-Fan

Raul Chitic, bald 32 Jahre alt, kennt sich mit Bildverarbeitung exzellent aus. Technik spielte bereits im Elternhaus eine große Rolle, da sein Vater Elektrotechniker war. So hatte Raul mit fünf Jahren auch schon den ersten Computer auf dem Schreibtisch. Kein Wunder, dass er sich nach der Schule für ein Studium der Medieninformatik entschied. Das Thema seiner Bachelor-Arbeit lautete „Handgesten-Erkennung mit Farbkameras“.

Mit diesen Kenntnissen im Gepäck heuerte er bei Dermalog an. Hier fühlt Chitic sich prima aufgehoben, denn „der Job macht unheimlich Spaß“.

Seit einiger Zeit ist er stolzer Besitzer eines Cabrios, mit dem er oft in seinem Hamburger Wohnviertel Winterhude unterwegs ist. Außerdem liebt er den sportlichen Wettkampf beim Tischtennis und das Zelten an der Ostsee.

Mein Job

Wie kamen Sie zu Ihrem Job?

Über eine Initiativbewerbung. Es passte einfach gleich, nicht zuletzt, weil das Bewerbungsgespräch fachlich besonders intensiv war.

Was gefällt Ihnen besonders?

Mir gefällt die Offenheit und kommunikative Art meiner Kollegen. Hier gibt es viele neue Ideen, die Firma und ihre Leitung kann sich für neue Ideen begeistern.

Worauf kommt es an?

Mit Hilfsbereitschaft, Neugier und Begeisterung für Technik kommt man hier sehr weit.

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