Der Fachkräfte-Mangel gefährdet unseren Wohlstand: AKTIV im Norden

Kommentar von Nico Fickinger

Der Fachkräfte-Mangel gefährdet unseren Wohlstand

Mitarbeiter gesucht: Deutschlands Firmen fehlt das Personal. Foto: Adobe Stock

Der ständigen Aufgeregtheit in einigen Medien über allerlei Nebensächlichkeiten wollen wir hier keinen Vorschub leisten, schon weil das norddeutscher Nüchternheit zuwiderliefe. Deshalb sind wir in AKTIV im Norden auch sehr zurückhaltend mit der Verwendung des Begriffs „Krise“. In diesem Fall ist er jedoch angebracht: Der Fachkräftemangel nimmt so dramatische Formen an, dass er sich zur Krise entwickelt.

Die Zahlen der Frühjahrskonjunkturumfrage 2018 von Nordmetall belegen das: Nahezu 90 Prozent Kapazitätsauslastung in unseren Metall- und Elektro-Betrieben und ein Auftragsbestand in Rekordhöhe führen dazu, dass fast 40 Prozent der Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter suchen – ohne dabei fündig zu werden. Vier von zehn Betrieben finden keine geeigneten Ausbildungsbewerber, sechs von zehn Betrieben keine qualifizierten Fachkräfte.

Diese Tendenz verschärft sich seit Jahren, nun wird sie zur ernsthaften Gefahr für das fortdauernde Konjunkturhoch. Trotzdem tut die Politik in Berlin wenig, um die Personalnot der Unternehmen zu lindern – im Gegenteil: Die Flexibilität der Betriebe soll immer mehr begrenzt werden, mit realitätsfernen Regelungen zum Anspruch auf befristete Teilzeit oder zur Einschränkung der sachgrundlosen Befristung.

Unter dem Vorwand der Stärkung von Arbeitnehmerrechten wird den Unternehmen die sachgerechte Personalplanung immer schwerer gemacht. Weil sie die von der Politik gerissenen Lücken in der Belegschaft nicht schließen können, müssen sie am Ende Aufträge absagen.

Statt den Betrieben und ihren Mitarbeitern derart mutwillig zu schaden, gehören klug gesteuerte Fachkräfteeinwanderung, eine raschere Qualifizierung bereits zugewanderter Arbeitskräfte und ein Maßnahmenkatalog zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit auf die Top-Agenda der Politik. Nur ein moderner flexibler Arbeitsmarkt, mit Wochen- statt Tagesarbeitszeit und stärkerer Berufsorientierung schon in den Schulen, wird den Anforderungen von Industrie 4.0 und fortschreitender Globalisierung gerecht.

Wenn Deutschland hier nicht handelt, verschulden wir unsere nächste Krise selbst.


Der Autor

Nico Fickinger ist Haupt­ge­schäftsführer der Arbeitgeber­verbände Nordmetall und AGV Nord, die „AKTIV im Norden“ möglich ­machen. ­

Disku­tieren Sie mit ihm: nordwort@aktivimnorden.de

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