Der Bremer Patrick Schneider belädt Astrium-Raumtransporter: AKTIV im Norden

In letzter Minute

Der Bremer Patrick Schneider belädt Astrium-Raumtransporter


Bremen/Kourou. „Last-Minute-Man“: diese Berufsbezeichnung erinnert an Comics, an lustige Slapsticks, in denen Männer hektisch und etwas planlos durch die Gegend flitzen.

In Wirklichkeit aber erfordert der Job von Last-Minute-Man Patrick Schneider äußerste Präzision, jede Menge Kondition und technische Höchstleistung. Und das alles unter echt widrigen Bedingungen. Der 35-jährige Astrium-Mitarbeiter ist für das Verladen von Late Cargo (späte Fracht) in den druckdichten Frachtraum des Raumtransporters ATV zuständig.

ATV steht für Autonomous Transport Vehicle. Die rund zehn Meter lange Tonne, etwa so hoch wie ein Doppeldecker-Reisebus, fliegt an der Spitze einer Ariane-5-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS. Sie bringt Nahrungsmittel, Kleidung, Hygiene-Artikel, Medikamente und medizinische Ausrüstung für die Besatzung der ISS sowie Ersatzteile, Werkzeuge und Zubehör für neue Experimente.

Gebaut und ausgerüstet wird das Raumfahrzeug in Bremen. Hier arbeitet Schneider die meiste Zeit des Jahres als Leiter des Integrationsteams.
Der gelernte Konstruktionsmechaniker kam 1999 zum Raumfahrtkonzern Astrium. Zwei Jahre später begann er am ATV mitzuarbeiten. Sein Trupp aus Fachleuten bringt Halterungen an, verlegt Kabel und montiert den Meteoritenschutz des Raumtransporters.

Der einzige Zugang ist eine schmale Luke

In Bremen wird der Raumtransporter mit dem Großteil der rund zwei Tonnen schweren Nutzfracht beladen: Das ATV befindet sich hier in horizontaler Lage. Die Fracht passt bequem in acht Staufächer.

Ganz anders sieht das am Raketenstartplatz in Kourou (Französisch-Guyana) aus: Wenige Wochen vor dem Start sind die Last-Minute-Men dran. Dann ist das Frachtmodul bereits vollständig montiert, mit über sieben Tonnen Treibstoff betankt und an der Spitze der Trägerrakete befestigt.

Den einzigen Zugang zum Frachtraum bietet nur noch eine Luke, die zum Andocken an der ISS vorgesehen ist. Sie hat einen Durchmesser von gerade mal 80 Zentimetern. Ein Minifahrstuhl bringt einen möglichst schlanken Mitarbeiter in das Innere des Frachtraums. „Man muss sehr ruhig stehen, denn die Hebeplattform hat keine Seitenwände“, erklärt Schneider.

Arbeit bei Temperaturen von über 30 Grad

Erschwerend kommt hinzu, dass der Packer in einem Schutzanzug steckt, die Hände in Handschuhen verborgen. „Sauberkeit ist superwichtig. Wir dürfen keinerlei biologische Verunreinigungen in das All tragen“, so der Bremer. In der schwülen Umgebung bei Temperaturen über 30 Grad Celsius kein Zuckerschlecken.

Late Cargo, also späte Fracht, ist genau kalkuliert. „Wir kennen von jedem Teil das exakte Gewicht und wissen genau, wo es seinen Platz im Frachtraum hat“, erklärt Schneider. Das ist wichtig, weil der Schwerpunkt des ATV präzise berechnet ist und schon kleinste Veränderungen durch falsche Beladung die gesamte Mission gefährden könnten.

Beim jüngsten Einsatz am ATV Edoardo Amaldi luden er und seine drei Kollegen fast 600 Kilogramm late cargo – rund 1.200 Einzelstücke – in den Transporter. Schweißtreibend, anstrengend und aufregend war das, doch auch erfolgreich.

Der nächste Raumtransporter, „Albert Einstein“, soll Anfang kommenden Jahres zur Raumstation starten. Patrick Schneider freut sich schon.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Neueste ArtikelBeliebteste Artikel

Leser-Feedback