Der Besucher als Ausstellungsstück: AKTIV im Norden

Freizeit

Der Besucher als Ausstellungsstück

Außen und innen: In den Deichtorhallen wird der Zuschauer zum Akteur. Durch die Bewegung fängt die spiegelnde Fläche an zu schwingen. Foto: Veranstalter


Antony Gormleys Installation „Horizon Field Hamburg“ in der Hansestadt

Wer eine Kunstausstellung besucht, den erwarten in der Regel Gemälde, Fotos oder Skulpturen. Ganz anders bei der Installation „Horizon Field Hamburg“ des britischen Künstlers Antony Gormley in den Hamburger Deichtorhallen. Dort werden die Besucher selbst Teil des Kunstwerks.

Beim Betreten der Nordhalle finden sie sich in einem fast leeren Raum wieder.

Er ist 4.000 Quadratmeter groß und an seiner höchsten Stelle 19 Meter hoch. Mitten in dem offenen Raum schwebt in 7 Metern Höhe eine 1.000 Quadratmeter große Ebene. Bis zu 100 Personen dürfen diese schwingende, schwarz glänzende Fläche gleichzeitig betreten.

Der Clou: Durch Vibration, Sound und Widerspiegelung erfährt man die eigenen Bewegungen und Sinneswahrnehmungen auf besondere Art und Weise. „Ein wesentlicher Aspekt dieser Arbeit ist die Erfahrung des Raumes, der absolut klar sein muss: ein leeres, sauberes Gebäude, wie eine Art Sporthalle für Geist und Körper“, beschreibt es Antony Gormley.

Ermöglicht wird die Ausstellung von der Nordmetall-Stiftung, die schon mehrfach Projekte gefördert hat, bei denen Kunst und Technik, Kultur und Industrie miteinander verbunden wurden. „Wir verstehen uns als ein Mittler zwischen den Welten, die im Alltag wenig miteinander zu tun haben", sagt Stiftungs-Vorstand Thomas Klischan. Das Gormley-Projekt habe gezeigt, wie ein Kunstwerk durch den Austausch des Künstlers mit Ingenieuren und Handwerkern entstehe. „Ohne die Praktiker aus der Technik wäre das Kunstwerk nur eine Idee geblieben", so der Vertreter der Nordmetall-Stiftung.

Aber nicht nur die Besucher auf der Fläche erleben die Kunst. Im darunterliegenden, spärlich beleuchteten Raum kann man den Schritten und Stimmen der unsichtbaren Personen über sich lauschen.

Jede Tageszeit, jedes Geräusch und jede Lichtveränderung wird dann in diesem über 100 Jahre alten Gebäude zu einem Teil des Kunstwerks. „Das bringt den Besucher in eine paradoxe Entscheidungssituation, auf welche Weise er partizipieren möchte“, erklärt Gormley.

Seit fast 40 Jahren setzt sich der Londoner Künstler in Skulpturen mit dem Verhältnis des menschlichen Körpers zum Raum auseinander. Bis zum 9. September 2012 ist seine Installation am Hamburger Hafen zu sehen und zu erleben.

Bettina Köhler

Die Deichtorhallen

Hamburg sind Dienstag bis Sonntag

von 11 bis 18 Uhr geöffnet,

an jedem ersten Donnerstag

im Monat bis 21 Uhr.

Eintritt frei.

www.deichtorhallen.de

 

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