Brauchen wir eine Anti-Stress-Verordnung?: AKTIV im Norden

Kommentar

Brauchen wir eine Anti-Stress-Verordnung?


Der Blick sozial engagierter Organisationen richtet sich in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit auch auf das Seelenleben der Betroffenen. Rasch wurde festgestellt, dass Arbeitslosigkeit zu seelischen Störungen führt. Arbeit hingegen wurde eine positive Wirkung zugesprochen, denn sie – so die Erkenntnis – ist wichtig für Selbstwertgefühl und Psyche.

In Zeiten hoher Beschäftigung sieht es plötzlich ganz anders aus: „Ausufernde Arbeitszeiten, unsichere Jobs, steigender Leistungsdruck und schlechtes Betriebsklima sind leidvoller Arbeitsalltag“, heißt es, von „psychischen Belastungen und Erkrankungen in besorgniserregendem Umfang“ ist die Rede.

Also muss ein Gesetz her, das den Stress verbietet, sagen einige. Und so wollen sie jedem Betrieb endlose Kataloge von Prüfungs-, Gestaltungs-, Dokumentations- und Unterweisungsmaßnahmen auferlegen und neue Ausschüsse einführen. Ein Dschungel an gut gemeinten Regelungen.

Aber sind die Verhältnisse in den Firmen wirklich die einzige und wesentliche Quelle von Stress? Wohl kaum, denn 80 Prozent seiner Lebenszeit verbringt der Arbeitnehmer außerhalb des Betriebs und damit in einem höchst stressigen Umfeld.

Die Scheidungsrate, die Erziehungsprobleme etwa sind eindeutige Hinweise. Selbst produzierter Stress aus elektronischem Dauerfeuer, aus Disco- oder Party-Nächten kommt hinzu. Hier kann eine Anti-Stress-Verordnung nichts ausrichten. Gefragt sind andere Instrumente, um den privaten Stress zu mindern, der sonst in die Betriebe getragen wird.

Gemessen an der Gesamtsituation wäre eine Anti-Stress-Verordnung für Betriebe in höchstem Maße unverhältnismäßig, denn sie würde zu endlosem Mehraufwand, höheren Kosten und hitzigen Debatten führen. Was wäre die Folge? Stress in den Betrieben. Das kann niemand ernsthaft wollen.

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