Azubis und dual Studierende von Airbus bauen einen Raumtransporter nach: AKTIV im Norden

Spaciger Nachwuchs in Bremen

Azubis und dual Studierende von Airbus bauen einen Raumtransporter nach


Pia Rohmann (19) und Marike Borchert (21) sind noch immer begeistert: von ihrem Projekt und ganz besonders vom Ergebnis. Sie gehören zu rund 70 Auszubildenden und Dualstudenten von Airbus Defence and Space (DS), die im zweijährigen Azubiprojekt einen ATV-Raumtransporter nachgebaut haben. Pia wird technische Produktdesignerin, Marike ist Dualstudentin Maschinenbau.

Am meisten habe sie während der spannenden Projektzeit über sich selbst gelernt, sagt Marike. Und Pia fügt an: „Wir mussten Situationen meistern, in denen wir vorher noch nie waren.“ Genau diese Projekterfahrungen sind es, die Airbus-DS-Ausbildungsleiterin Gabi Umlandt erreichen will. „Die jungen Leute haben über den Tellerrand geschaut und gemeinsam ein Projekt bewältigt. Das ist klasse.“

Ein fliegendes Allzweckgerät so groß wie ein Haus

Klasse ist auch das Ergebnis, das nun jeder auf dem Gelände des Raumfahrtkonzerns in der Nähe des Airports Bremen betrachten kann. Dort steht das ATV-Modell zwischen den Modellen der Raketen Ariane 4 und Ariane 5. „Unser Portfolio auf einen Blick“, wie Standortleiter Bart Reijnen sagt.

Das „echte“ ATV (Automated Transfer Vehicle) ist ein Raumtransporter, der die Internationale Raumstation ISS versorgt. Er ist so etwas wie ein fliegendes Allzweckgerät mit den Maßen eines Einfamilienhauses – 4,75 Meter Durchmesser, 10 Meter Länge und 20 Tonnen Gewicht. Er kann Nutzlasten mitnehmen, Abfälle entsorgen und mit gezielten Schüben aus seinen Triebwerken die Station auf Kurs halten.

In Bremen steht jetzt der detailgetreue Nachbau im Maßstab 1 : 2. Zwei Jahre planten, zeichneten, konstruierten und bauten die jungen Leute an der „fliegenden Tonne“. Das Projekt startete, wie echte Raumfahrtvorhaben auch, mit einem Kick-off-Meeting. Es folgten Projektmanagement-Schulungen, die Azubis bildeten verschiedene Abteilungen wie Einkauf, Controlling, Öffentlichkeitsarbeit, Konstruktion und Qualitätssicherung.

Drei Nachwuchskräfte übernahmen die Projektleitung, mussten mitunter auch unangenehme Entscheidungen treffen. „Eben ganz so wie im richtigen Leben“, sagt Umlandt.

Weil zwischenzeitlich einige Azubis und Dualis ausgelernt hatten, wechselten Teammitglieder und auch Projektverantwortliche. Der Dokumentation kam deshalb ein besonderer Stellenwert zu.

Ausbildungsleiterin Umlandt nennt noch eine weitere Besonderheit: „Die jungen Leute haben nicht nur eigenverantwortlich, sondern auch interdisziplinär gearbeitet. Alle Berufsbilder waren eingebunden und haben auf diese Weise Verständnis für die Belange der anderen Gruppen entwickelt.“ Wenn der Kaufmann die Technik kennt und umgekehrt der Techniker die betriebswirtschaftlichen Zahlen im Blick hat, sei das ein großer Mehrwert für das Unternehmen.

Apropos Zahlen: Besonders stolz waren die Azubis darauf, dass ihr Projekt im Budgetrahmen geblieben ist. Am Ende gab es dann einen großen Bahnhof für den Nachwuchs und sein Produkt samt Besuch der Bremer Wissenschaftssenatorin Professor Eva Quante-Brandt. Die übergab das Modell an den Standortleiter Bart Reijnen.

Übrigens: Der echte Raumtransporter wird seinen Einsatz nicht überleben. Nach erfüllter Mission wird er kontrolliert in der Erdatmosphäre verglühen. Ein Schicksal, das dem Azubi-Nachbau erspart bleiben wird.

Erfolgsgeschichte: Ariane 5 und ATV

In der Nacht vom 29. auf den 30. Juli startete der letzte ATV-Raumtransporter vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana zur ISS. Eine Ariane-5-ES-Rakete brachte das ATV „Georges Lemaître“ zur Internationalen Raumstation, die 400 Kilometer über der Erde kreist. 2008 war der erste ATV „Jules Verne“ zur ISS geflogen. „Georges Lemaître“ hatte ein Gesamtgewicht von 20,8 Tonnen und war damit das schwerste Modul, das mit der europäischen Trägerrakete zur ISS transportiert wurde.

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