Aus dieser Suppe kommt neue Kraft: AKTIV im Norden

Reportage

Aus dieser Suppe kommt neue Kraft


Bleigießen im großen Stil: Weser-Metall produziert den Stoff für unsere Autobatterien

Den meisten Autofahrern dürfte die Weser-Metall GmbH in Nordenham gänzlich unbekannt sein. Aber ohne sie würden viele Fahrzeuge nicht anspringen, es sei denn, man kurbelte den Motor nach alter Väter Sitte mit der Hand an. Das Traditionsunternehmen von der Nordseeküste ist einer der größten Lieferanten von Blei – dem wichtigsten Ausgangsmaterial für Auto-Batterien.

400.000 Tonnen Blei werden Jahr für Jahr in Deutschland gebraucht, 130.000 Tonnen davon kommen aus Nordenham. Und die Autobatterie-Industrie ist nicht nur der größte Abnehmer: Sie ist zugleich der größte Rohstoff-Lieferant.

„Es gibt wenige Metalle, die eine so gute Öko-Bilanz haben wie Blei“, sagt Reimund Westphal, der Geschäftsführer von Weser-Metall. „Die Recycling-Quote ist hoch. Und wir tragen unseren Teil dazu bei.“

70 Prozent werden wiederverwertet

Das von Weser-Metall erzeugte Blei stammt nur noch zu 30 Prozent aus Erz, also aus neuer Förderung. Mittlerweile 70 Prozent kommen aus alten Auto-Batterien. Möglich macht es die Kooperation mit anderen Firmen der französischen Recylex-Gruppe, zu der Weser-Metall heute gehört.

Wie das genau funktioniert, erklärt Ulrich Kerney, der Technische Direktor der Hütte in Nordenham: „Diese spezialisierten Betriebe übernehmen für uns das Knacken der alten Batterien. Sie entsorgen die anfallende Säure, schreddern den Kunststoff fürs anschließende Recycling und bereiten das Blei der Akkus so auf, dass wir es in unserem Ofen einschmelzen können.“

Und dieser Ofen, so erfahren wir beim Rundgang über das Gelände, war die Rettung. Ohne das fast 20 Meter hohe Ungetüm wäre der Betrieb wohl längst geschlossen worden. Geschäftsführer Westphal erzählt: „Der koksbefeuerte Schachtofen, der hier früher stand, war veraltet. Mit ihm ließen sich die neuen Emissionsgrenzwerte, vor allem für den Ausstoß von Schwefel­dioxid, nicht einhalten.“

So wurde er 1996 durch diesen hochmodernen Badschmelzofen ersetzt. Er  arbeitet nicht mit Koks, sondern mit Erdgas. Und die technische Raffinesse liegt darin, dass der Brennstoff mit einer Lanze in die Schmelzzone des Ofens geblasen wird – das sorgt für eine optimale Verbrennung.

Zudem brauchte der herkömmliche Ofen einen hohen Erz-Anteil, damit er funktionierte. Mit so viel Recycling-Blei wie der neue wäre er nicht fertig geworden.

Während die gesetzlichen Emissionsgrenz­werte für Weser-Metall kein Thema mehr sind, wird jetzt ein anderes Problem drängender: Das benötigte Erdgas ist in den letzten Jahren drastisch teurer geworden – wegen der Weltmarktpreise und durch die Ökosteuer.

Die Größenordnung des Gas-Verbrauchs verdeutlicht der Geschäftsführerso: „Unser Ofen setzt jährlich so viel Erdgas ein wie 6.000 Ein-familienhäuser.“ Die stetig steigenden Energiekosten sind daher für das 250 Mitarbeiter starke Unternehmen eine hohe Belastung.

So dominant der Badschmelzofen ist – er steht nur für den ersten Teil des Produktionsprozesses. Nach dem Schmelzen kommt die Raf­fination, die aus dem sogenannten Werkblei handels­fähige Ware macht. Dazu wird das flüssige Metall mithilfe großer Wagen in eine Halle gefahren, in der zahlreiche beheizte Kessel in den Boden eingelassen sind: In ihnen wird das Blei von allen restlichen Verunreinigungen befreit.

Silber als Nebenprodukt

Zu diesen Verunreinigungen zählt übrigens auch Silber. Das Edelmetall, dessen Preis sich seit Mitte 2010 verdoppelt hat, steckt neben Kupfer und Zink als Nebenbestandteil im Blei-Erz. Bei Weser-Metall fallen rund 40 Tonnen Silber pro Jahr an. Und während das in Barren gegossene Blei nach der Raffination in der Versandhalle gestapelt wird, transportiert man das Silber zügig ab.

Es wird an Kunden verschiedener Branchen verkauft. Und so entsteht am Ende beim Recycling von Papas alter Auto-Batterie womöglich das Material für Mamas neuen Schmuck.

Clemens von Frentz

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Weser-Metall GmbH
Johannastraße 2
26954 Nordenham

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