Aus dicken Stahlplatten wird bei APS auch mal Udo Lindenberg: AKTIV im Norden

Die Maß-Schneider

Aus dicken Stahlplatten wird bei APS auch mal Udo Lindenberg


Eigentlich steht Udo Lindenberg ja mehr auf deutschen Nuschel-Rock, aber manchmal mag er auch Heavy Metal. Vor allem, wenn man ihm daraus ein Denkmal baut. Dann kommt die westfälische Nachtigall sogar höchstpersönlich mit einem Fläschchen Schaumwein vorbei, um es so richtig krachen zu lassen.

So geschah es vor zwei Jahren in Timmendorf, als am Ostseestrand ein ungewöhnliches Kunstwerk aufgestellt wurde. Die zweiteilige Skulptur ist Lindenbergs Ohrwurm „Horizont“ gewidmet und wurde nach einem Entwurf des Künstlers Dieter Portugall aus einer tonnenschweren Stahlplatte geschnitten.

„Udo war schwer begeistert und sichtlich gerührt“, erinnert sich Walter Werth, der unter den 600 Gästen war, als Lindenberg die Skulptur enthüllte. Sein Unternehmen APS Innovative Brennschneidtechnik hatte das 2,40 Meter hohe Werk angefertigt.

Die Firma in Valluhn (Mecklenburg-Vorpommern), die seit 2011 zur Carl Spaeter Gruppe gehört, hatte den Auftrag nicht ohne Grund bekommen, wie Werth bei einem Rundgang durch die Hallen erzählt. „Wir sind zwar nur ein relativ kleiner Betrieb mit 30 Mitarbeitern, aber genau das ist unsere Stärke. Wir können auch aufwendige Einzelstücke und Aufträge mit kleiner Stückzahl übernehmen, bei denen große Wettbewerber sofort abwinken.“

Der Strahl des Brenners gleitet durch die dicke Platte wie ein heißes Messer durch Butter

Vertriebsmann Carsten Söllner nickt. „Wir haben viele Kunden aus der Region, die uns seit Jahren kennen. Da passiert es schon mal, dass nachts ein Teil vor unsere Tür gelegt wird mit einem Zettel dran, auf dem der Wunsch des Kunden beschrieben wird. Und unten steht: Eilig, Lieferung morgen früh! Das haben wir bisher eigentlich immer hingekriegt.“

Hinter ihm hieven seine Kollegen Steffen Bahr und Thomas Werner gerade per Kran eine mächtige Stahlplatte auf den Tisch einer Brennschneidemaschine. Die Platte ist fast 20 Zentimeter dick, aber damit wird der Autogen-Brenner locker fertig. Der Strahl gleitet durch das Metall wie ein heißes Messer durch Butter, und wenig später ist das Teil sauber ausgeschnitten.

In der Nachbarhalle stehen die Plasmaschneidemaschinen, die eher für dünnere Bleche geeignet sind. Dafür ist ihre Schnittgeschwindigkeit etwa achtmal höher als beim autogenen Brennschneiden.

„Das liegt an der hohen Temperatur des Strahls“, erklärt Werth. „Diese Geräte erzeugen zwischen einer Elektrode und dem Werkstück einen Lichtbogen, ähnlich wie bei einem Gewitterblitz. Dabei entsteht Plasma, ein elektrisch leitfähiges Gas mit bis zu 20.000 Grad Celsius. Bei dieser Hitze schmilzt jedes Metall innerhalb von Sekundenbruchteilen.“

Nach dem Schneiden werden die Teile, falls gewünscht, noch endbearbeitet. Das passiert in einer Anlage, die kleine Metallkugeln verschießt, wie beim Sandstrahlen. Die Maschine wurde erst kürzlich angeschafft und ist Werths ganzer Stolz.

Ferienwohnung an der Ostsee für Gründung der Firma verkauft

An dieser Stelle verrät er, dass es den Betrieb wohl heute nicht gäbe, wenn er weniger hartnäckig gewesen wäre. Werth: „Die Banken standen anfangs mit beiden Füßen auf der Bremse. Meine Geschäftsidee passte einfach nicht deren Schema.“

Am Ende hat’s dann doch noch geklappt. Aber auch nur, weil Werth seine Ferienwohnung zu Geld machte. Die stand in Timmendorf – unweit der Stelle, wo heute der Blech-Udo steht.

APS Innovative Brennschneidtechnik, Valluhn

Das Unternehmen wurde 2002 durch den heutigen Geschäftsführer Walter Werth gegründet und hat rund 30 Mitarbeiter. Der Betrieb auf dem Gelände des früheren Grenzübergangs Gudow ist spezialisiert auf den Zuschnitt von Stahlteilen mit Autogen- und Plasma-Brennern. Die Kunden kommen aus allen Bereichen der norddeutschen Industrie. Seit Juli 2011 gehört APS zur Carl Spaeter Gruppe.

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