Auf neuem Kurs: AKTIV im Norden

Reportage

Auf neuem Kurs


Die P+S Werften GmbH entstand aus zwei Firmen – eine Erfolgsgeschichte

Einen Astrologen hatte man zuvor ganz sicher nicht befragt, doch das Datum war gut gewählt: Die Fusion der Peene-Werft in Wolgast mit der Volkswerft Stralsund zur P+S Werften GmbH Mitte 2010 fand unter dem Sternzeichen Zwillinge statt. Das passt. Die neue Gesellschaft besteht aus zwei gleichaltrigen Betrieben, die sehr ähnlich sind und doch so unterschiedlich, dass sie sich einfach gut ergänzen.

Während viele andere Werften in Deutschland unter einer Auftragsflaute leiden, herrscht in den Hallen des Unternehmens an den Standorten Wolgast und Stralsund ein emsiges Treiben. Von Krisenstimmung keine Spur.

„Wir können derzeit wirklich nicht klagen“, sagt Ausbildungsleiter Kersten Bartels (53) und zeigt auf zwei fast fertige Schiffe in der 300 Meter langen Stralsunder Volkswerft-Halle: „Sobald diese Fähren abgeliefert sind, wird gleich mit dem nächsten Neubau begonnen. Dank unserer guten Auftragslage sind wir bis Mitte 2013 ausgelastet.“

Offshore-Technik und Spezialschiffe

Ein wenig Stolz schwingt schon mit, wenn er das sagt. Denn ohne die Arbeit seiner Ausbildungsabteilung wäre diese Entwicklung kaum möglich gewesen. Um das zu verstehen, muss man einige Jahre zurückblicken.

Die beiden traditionsreichen Werften standen nach mehreren Eigentümerwechseln und dem Wegfall alter Geschäftsfelder stark unter Druck. Neue Strategien waren gefragt, neue Produkte und auch neue Strukturen.

So entschloss man sich zur Fusion. Die P+S Werften GmbH entstand – ein Unternehmen mit 2.000 Mitarbeitern, das sich vor allem auf Offshore-Technik und Spezialschiffe konzentriert.

„Der Bereich Offshore-Technik ist wirtschaftlich sehr attraktiv, aber es gibt bisher kaum Erfahrungswerte und noch keine etablierten Produkte. Da haben wir Neuland betreten“, erzählt Bartels, während im Hintergrund lautstark gehämmert wird. „Alles muss neu entwickelt werden. Das geht nur, wenn man das richtige Personal hat, am besten selbst ausgebildet.“

Die Ausbildung von Lehrlingen ist seit 1949 fester Bestandteil beider Werftenstandorte. „Mit der Ausbildung vor Ort schaffen wir uns die qualitativ hochwertigen Fachkräfte von morgen selbst“, so Bartels. „Und die sind eine wichtige Investition in die Zukunft.“ Auch die Region profitiert davon, denn P+S ist inzwischen der wichtigste Ausbildungsbetrieb im Norden Mecklenburg-Vorpommerns.

Derzeit machen in Stralsund und Wolgast insgesamt 154 junge Leute ihre Lehre, die meisten als Fertigungs- und Konstruktionsmechaniker. In diesem Jahr kam außerdem der Beruf des Mechatronikers hinzu, der bei Jugendlichen immer beliebter wird.

Besonders stolz ist Ausbilder Bartels auf die „Schweißtechnische Kursstätte“ des Unternehmens. Sie hat die offizielle Zulassung des DVS (Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren). Hier können die Mitarbeiter in allen Schweißverfahren ausgebildet werden.

Seit 2001 auch duales Studium

Eine zweite Säule der P+S-Ausbildung ist das duale Studium, also der begleitende Hochschulunterricht. Bartels: „Wir haben bereits 1993 begonnen, dieses Thema mit Hochschul-Vertretern und Kammern zu erörtern. Die ersten Studenten konnten sich dann 2001 einschreiben.“

Angeboten werden derzeit die Bachelor-Studiengänge Schiffbau-Technik und Produktions-Management, die jeweils vier Jahre dauern. Ein zweijähriges Master-Studium ist in Planung.

Das Außergewöhnliche an diesem Modell ist, dass die Teilnehmer direkt nach der Realschule damit beginnen können und nicht erst mit der Fachhochschulreife. Zurzeit hat das Unternehmen insgesamt 13 Mitarbeiter im dualen Studium, elf Männer und zwei Frauen.

Qualifizierung statt Kurzarbeit

Dritte Säule der Ausbildung ist die Fortbildung von Mitarbeitern. Zum Beispiel in Spezialschweißverfahren für Offshore- oder Anlagentechnik für Rohrbau. „Unsere Schulungsangebote werden sehr gut angenommen“, sagt Bartels. „Wir haben mit unserem Modell ‚Qualifizierung statt Kurzarbeit‘ ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. Diese Möglichkeit eröffnet den Mitarbeitern?– auch den älteren – ganz neue Perspektiven.“

Sein Kollege Ralf Levenhagen bestätigt das: „Ein großer Teil der betroffenen Mitarbeiter an beiden Standorten hat das Angebot bereits genutzt. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass wir das Thema vom ersten Tag an sehr offen kommuniziert haben.“

Clemens von Frentz

P+S Werften

Die P+S Werften GmbH entstand Mitte 2010 durch eine Fusion der Volkswerft Stralsund mit der Peene-Werft in Wolgast. Beide Unternehmen hatten 1948 ihren Betrieb aufgenommen. Zurzeit werden 93 Prozent der P+S Werften GmbH von der HSW Treuhand und 7 Prozent von der Hegemann-Gruppe gehalten.

Die Werft hat an beiden Standorten insgesamt rund 2.000 Mitarbeiter und ist der wichtigste Ausbildungsbetrieb im Norden Mecklenburg-Vorpommerns. Die Auftragslage ist gut; laut Geschäftsführung sind bereits über 20 Schiffe bestellt, die ein Auftragsvolumen von insgesamt rund 1 Milliarde Euro haben. Die Auslastung ist damit bis mindestens Mitte 2013 sichergestellt.

 

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P+S WERFTEN GmbH Wolgast

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P+S WERFTEN GmbH Wolgast
Schiffbauerdamm 1
17438 Wolgast

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