Alle drei Tage ein neues Produkt: AKTIV im Norden

Reportage

Alle drei Tage ein neues Produkt


Was man aus Kabelbindern alles machen kann

An Kabelbindern gibt es doch nun wirklich nichts Innovatives. Oder? Als kürzlich ein neues Modell auf den Markt kam, sprach man in Fachkreisen von einer Revolution. Die Wunderstrippe namens „Q-tie“  stammt von HellermannTyton, dem Weltmarktführer für diese Befestigungen. Am Firmensitz in Tornesch bei Hamburg ist man mächtig stolz darauf.

Das Besondere: Damit geht die Arbeit viel schneller als mit normalen Kabelbindern. Den  entscheidenden Unterschied erklärt Hans-Christian Niemann. Der Geschäftsführer steht in der Produktionshalle und greift sich einen Binder, der gerade aus der Spritzgussmaschine kommt.

„Sehen Sie“, ruft er gegen den Lärm der Anlage an, „der Kopf ist nicht geschlossen, sondern oben teilweise offen. Das Bandende muss also nicht mühsam eingefädelt werden, sondern wird einfach eingelegt und stramm gezogen. Das klappt sogar mit Arbeitshandschuhen.“

Die Maschine, neben der Niemann steht, läuft unterdessen munter weiter. Sie spuckt in rascher Folge fertige Teile aus, ähnlich wie die anderen Anlagen in der Halle. Alle arbeiten nach dem gleichen Verfahren: Granulierter Kunststoff, zum Beispiel Nylon, wird durch Erhitzung verflüssigt und in eine Form gespritzt. Nach dem Aushärten, das nur wenige Augenblicke dauert, fährt die Form kurz auseinander, stößt die Teile aus, und der nächste Takt beginnt.

Diese Prozesse laufen, einmal eingerichtet, mehr oder weniger automatisch ab. Nur wenn ein Formwechsel ansteht oder der Container mit den fertigen Produkten ausgetauscht werden muss, tritt einer der Mitarbeiter in Aktion.

Das Kunststoffgranulat  kommt per Rohrpost

Auch bei der Beschickung der Maschinen mit Kunststoffgranulat braucht kaum noch jemand einzugreifen. Dazu wurde in der Halle ein weitverzweigtes Rohrnetz installiert, das den feinkörnigen Rohstoff per Unterdruck an seinen Bestimmungsort bringt. Der Materialverbrauch liegt bei über 10.000 Tonnen im Jahr.

Für den reibungslosen Lauf der Maschinen sorgt die Engineering-Abteilung. Hier entwickeln und bauen rund 30 Mitarbeiter die Formen, die später in den Fertigungsmaschinen Einsatz finden.

Anschließend gehen die Teile ins hauseigene Technikum, wo sie probehalber in eine Spritzgussmaschine eingebaut und unter Praxis-Bedingungen getestet werden. Mindestens ebenso wichtig ist die Arbeit der Entwicklungsabteilung. Denn die Kunden der Firma, die in Tornesch auch eine Ausbildungswerkstatt betreibt, kommen aus allen Sparten der Industrie, mit ganz individuellen branchenspezifischen Anforderungen.

Das Tempo ist entsprechend. Niemanns Geschäftsführer-Kollege Stephan Jungermann: „Wir entwickeln hier im Schnitt alle drei Tage ein neues Produkt.“

Kabel-Accessoires von HellermannTyton finden Einsatz in der Telekommunikation, in der Luft- und Raumfahrt-Industrie, im Schiff- und Schienenfahrzeugbau. Der wichtigste Bereich aber ist die Auto-Industrie. Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie viele Elektro-Komponenten in einem Pkw stecken. Alle sind durch Kabel verbunden, die geschützt, gebündelt und gekennzeichnet werden müssen.

Eine eigene App für die Kunden

Für jedes neue Automodell braucht man daher neue Teile. Damit die Kunden das riesige Angebot von HellermannTyton leicht überschauen können, wurde nun sogar eine eigene App fürs iPad programmiert. Damit hat man alle Kataloge, Datenblätter und Broschüren stets parat. Clemens von Frentz

Info: HellermannTyton GmbH

Das Unternehmen entwickelt und fertigt Produkte zum Bündeln, Befestigen, Schützen, Kennzeichnen und Verarbeiten von Kabeln und Leitungen sowie deren Anschlusskomponenten. Die Firma beschäftigt an ihrem Standort Tornesch (Schleswig-Holstein) 550 Mitarbeiter und hat weltweit 34 Schwesterbetriebe. Insgesamt sind 52.000 Artikel im Programm.

 

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Großer Moorweg 45
25436 Tornesch

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