Airbus 350 XWB: Bald hebt das sparsamste Flugzeug Europas ab: AKTIV im Norden

Fliegen wird effizienter

Airbus 350 XWB: Bald hebt das sparsamste Flugzeug Europas ab

Ein interessantes Muster fliegt dieser neue A350 da auf seinen Testflügen durch die Lüfte. Abstrakte Kunst? Nein! Die Bemalung zeigt konkret die Verwendung moderner Verbundwerkstoffe an. Und die sind ein wichtiger Grund dafür, dass das Flugzeug deutlich weniger Kerosin verbraucht auf seinen Langstreckenflügen mit 250 bis 350 Passagieren.

„Wir haben an vielen Stellschrauben gedreht, um den A350 XWB zur sparsamsten Passagiermaschine der Welt zu machen“, erklärt Heiko Stolzke von Airbus in Hamburg. Der neue Riesenvogel benötigt deutlich weniger Sprit als seine Konkurrenten des US-Herstellers Boeing; er ist um ein Viertel effizienter als die 777 und 6 Prozent besser als der Dreamliner 787.

Passagiermaschinen werden immer größer

Das Kürzel „XWB“ im Modellnamen steht für „Extra Wide Body“, also einen extra breiten Rumpf. Und für einen Trend: Die Jets werden immer größer, weil immer mehr Menschen fliegen wollen. In den nächsten 20 Jahren könnte sich die Zahl der Passagiere mehr als verdoppeln, von heute 3,1 Milliarden auf 6,7 Milliarden jährlich.

Weil mehr Personen in eine Maschine passen, wird die Zahl der Flüge zwar nicht in gleichem Ausmaß steigen; dennoch steht die Branche vor einer Riesenaufgabe: Bis 2050 soll der CO2-Ausstoß gegenüber 2005 um 50 Prozent sinken, trotz des höheren Verkehrsaufkommens. Darauf hat sich die Luftverkehrswirtschaft weltweit geeinigt.

Airlines stehen unter hohem Kostendruck

Deshalb wurde in der EU das Forschungsprojekt „Clean Sky“ (sauberer Himmel) gestartet. In den kommenden sechs Jahren wollen Staaten und Flugzeughersteller, jeweils zur Hälfte, insgesamt 3,6 Milliarden Euro in die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien investieren.

Was dem Klima hilft, rechnet sich auch wirtschaftlich: Fast ein Drittel der Gesamtkosten für die Airlines entfällt auf den Treibstoff. „Der Druck, effizient zu sein, ist sehr hoch“, sagt Professor Johannes Reichmuth vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln. Denn Billig-Anbieter wie Ryanair oder Easyjet heizen seit Jahren den Wettbewerb an und drücken die Ticketpreise.

Die Kunden freut’s – doch den Airlines bereitet das Probleme: „Die Gewinnspannen sind sehr eng – Kosten senken steht deshalb an erster Stelle“, so Reichmuth. Airbus stellt sich darauf ein und hat beim A350 mit viel Tüftelei einiges an Effizienz herausgeholt.

  • Gewicht: Der neue Airbus besteht zu 53 Prozent aus modernen Verbundwerkstoffen, das sind im Wesentlichen Kohlefasern in Verbindung mit Kunststoff. Die 32 Meter langen und 6 Meter breiten Tragflächen sind die größten jemals aus Karbonfasern hergestellten Flugzeugteile. Auch der Rumpf besteht weitgehend aus dem im Vergleich zu Stahl viel leichteren Kunststoff. Das trägt wesentlich zum geringen Treibstoffverbrauch bei und senkt die Wartungskosten.
  • Triebwerk: Der Hersteller Rolls-Royce hat eigens für den neuen Airbus ein Triebwerk mit dem Namen „Trent XWB“ entwickelt. Es ist laut Rolls-Royce „das treibstoffeffizienteste fliegende Triebwerk der Welt“. Hier zeigt sich: Klassische Antriebe sind noch längst nicht ausgereizt, auch wenn gleichzeitig mit Biokraftstoffen geforscht wird. „Das neue Triebwerk verbraucht 16 Prozent weniger Kraftstoff als der erste Trent-Antrieb, den wir vor 15 Jahren entwickelt haben. Wir reduzieren den Verbrauch im Schnitt um 1 Prozent pro Jahr“, so Ric Parker, Direktor für Forschung und Technologie der Rolls-Royce-Gruppe. Die Turbine ist außerdem leiser als bisherige Modelle.
  • Kabine: Neun Sitze passen in der Economy-Klasse nebeneinander. Laut Airbus birgt der extrabreite Rumpf die leiseste und komfortabelste Kabine in dieser Größenkategorie. Bislang haben 39 Fluggesellschaften rund um den Globus 750 Flugzeuge geordert. Zum Ende dieses Jahres wird die Fluggesellschaft Qatar die erste Maschine in Betrieb nehmen. Ab 2017 soll die Serienproduktion auf Hochtouren laufen. Und der Hersteller ist optimistisch. Airbus-Mann Stolzke: „Wir rechnen in den nächsten 20 Jahren mit einem Bedarf an 6.900 neuen Großraum-Passagierflugzeugen.“
  • Tragflächen: „Sharklets“ heißen die nach oben gebogenen Enden der Tragflächen – „shark“ ist das englische Wort für „Hai“. Diese spezielle Form hat Airbus bereits für seinen A320 entwickelt, der Platz für 150 bis 180 Passagiere bietet – und inzwischen für den großen Bruder optimiert: Ihr Luftwiderstand ist besonders gering.

Hintergrund: Antrieb für die Wirtschaft

  • Nach einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts im Auftrag des Branchenverbands ist für drei Viertel aller Industrieunternehmen in Deutschland der Luftverkehr sehr wichtig oder wichtig.
  • Die Unternehmen der Luftverkehrswirtschaft sichern direkt und indirekt mehr als 820.000 Jobs in Deutschland.
  • Flugzeuge befördern jährlich Außenhandelswaren im Wert von mehr als 200 Milliarden Euro von und nach Deutschland.
  • Das Flugzeug ist zudem das meistgenutzte Verkehrsmittel für Reisen nach und aus Deutschland – und somit das Rückgrat für den Tourismus.

Luftfahrt-Industrie

Montage: Der Rumpf eines XWB-Airbus in der Werkhalle. Foto: Werk
Montage: Der Rumpf eines XWB-Airbus in der Werkhalle. Foto: Werk

Branche sichert 100.000 Arbeitsplätze im Norden

Luftfahrt als Jobmotor für den Norden: Nach Angaben des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) ist die Zahl der Mitarbeiter im Luft- und Raumfahrzeugbau in Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg allein zwischen 2007 und 2012 um 11 Prozent auf 35.000 gestiegen.

Positive Effekte durch Zulieferer

Alles in allem sichert die Branche sogar in den vier Nord-Ländern rund 100.000 Arbeitsplätze, wenn man die Mitarbeiter von unternehmensnahen Zulieferern wie Premium Aerotec und die Beschäftigungseffekte in der Metallerzeugung, an Flughäfen und in Forschungseinrichtungen berücksichtigt.

Allein Premium Aerotec beschäftigt insgesamt über 7.000 Leute, den Großteil davon im Norden. Der 2009 aus früheren Airbus-Werken geformte Konzern ist der weltweit größte Zulieferer des Airbus-Konzerns und setzt im Jahr rund 1,5 Milliarden Euro um.

Nach Einschätzung des Hamburger Wirtschaftsexperten Professor Thomas Straubhaar wird die Luftfahrt ihre Schlüsselrolle für den norddeutschen Arbeitsmarkt noch lange Zeit behalten. „Wir rechnen damit, dass in den nächsten 20 Jahren rund 30.000 neue Passagier- und Frachtflugzeuge benötigt werden.“

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Neueste ArtikelBeliebteste Artikel

Leser-Feedback