Dieser Werft-Kranmeister von Nordic Yards in Stralsund ist leidenschaftlicher Globetrotter: AKTIV im Norden

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Dieser Werft-Kranmeister von Nordic Yards in Stralsund ist leidenschaftlicher Globetrotter

Auch im Himalaya geht es nicht nur steil nach oben. Um auf 5.000 Meter Höhe zu kommen, sind unzählige Auf- und Abstiege zu absolvieren. Jan Kuchenbecker kann sich gut daran erinnern.

„Am meisten hat mich beeindruckt, unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben“, erzählt er. „Zum Wasserholen müssen sie kilometerweit laufen.“ Immer auf und ab. „Da lernt man seine Grenzen kennen“, bekennt der heute 41-Jährige, der ein großer Fan von Reisen in ferne Länder ist.

Mit Höhen und Tiefen hat der Stralsunder einschlägige Erfahrungen. In den vergangenen Jahren erlebte er auf der Werft, auf der er im Wende-Herbst 1989 eine DDR-Lehre als Stahlschiffbauer begonnen hatte, eine wechselvolle Zeit.

Kuchenbecker landete dort nicht ohne Grund, er ist mit Schiffen aufgewachsen. Viele Bekannte und Verwandte arbeiteten auf der einstigen Volkswerft. „Bei Familienfeiern kam die halbe Belegschaft zusammen“, scherzt er.

Der Betrieb ist vom Stralsunder Ortsteil Devin, wo Kuchenbecker noch heute lebt, über den Strelasund gut zu sehen. Als 14-jähriger Bursche kaufte er sich sein erstes kleines Segelboot, um auf dem nahen Meer zu kreuzen und zu angeln.

Die Wende änderte vieles, auch in Sachen Ausbildung. Aus dem angehenden Stahlschiffbauer Kuchenbecker wurde im Zuge der Umstrukturierungen ein Konstruktionsmechaniker-Azubi, der im bundesdeutschen Modus ausgebildet wurde und nach dreieinhalb Jahren seinen Facharbeiter-Brief erhielt.

Nach Übernahme der Stralsunder Werft 1993 durch die Bremer Vulkan AG folgte die erste berufsbedingte Reise in unbekannte Gefilde. Mit anderen Ost-Kollegen arbeitete er zeitweilig auf Vulkan-Werften in Bremen und Bremerhaven. Kuchenbecker: „Da haben im Duo immer ein Ossi und ein Wessi zusammen gewirkt. Das klappte prima.“

Die Pleite des Vulkan-Konzerns 1997 überstand die Stralsunder Werft relativ unbeschadet, sie ging an einen dänischen Eigner. Als dieser den Betrieb 2007 an die Bremer Hegemann-Gruppe weiterreichte, gab es den ersten Aderlass. Rund 400 Mitarbeiter wurden nach der Fusion von Volkswerft und Wolgaster Peene-Werft zur P+S-Gruppe entlassen.

In diesen Jahren qualifizierte sich Kuchenbecker zum Meister und erhielt 2007 das Angebot, auf der Werft den Posten des Kran- und Transportmeisters zu übernehmen. Seitdem koordiniert er den Einsatz der kompletten Hebetechnik. Neun Kräne sind mit Fahrern besetzt, 50 bis 60 weitere werden fernbedient.

Die Pleite der P+S-Werften Mitte 2012 hätte beinahe das Aus bedeutet, aber die Belegschaft hatte Glück: Im Juni 2014 übernahm Nordic Yards den Betrieb. Und mit ihm den Kranmeister Kuchenbecker – er wurde sofort neu eingestellt. „Das war einen Tag vor meinem Geburtstag das schönste Geschenk.“

Mit anfangs elf Mann in der Produktion hielten sie die Werft über mehrere Monate in Schuss, bis die Produktion wieder aufgenommen wurde. Seit einigen Wochen arbeiten rund 200 Beschäftigte bei Nordic Yards Stralsund an einem ersten Neubau, einem Fundament für eine Offshore-Konverterplattform. In den Hallen herrscht emsige Betriebsamkeit. „Ein großartiges Gefühl“, sagt Kuchenbecker.


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Nordic Yards Stralsund

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Nordic Yards Stralsund
An der Werft 5
18439 Stralsund

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