Die Anlagen der Rostocker Firma IMG sind weltweit in der Schiffbau-Industrie gefragt: AKTIV im Norden

Das Millionen-Teile-Puzzle

Die Anlagen der Rostocker Firma IMG sind weltweit in der Schiffbau-Industrie gefragt


Hoch konzentriert sitzt Ronald Hackbarth an einem kleinen Klapptisch dem stählernen Koloss direkt gegenüber. Die gewaltige Schweißanlage ist haushoch und 23 Meter breit. Vor dem Elektrokonstrukteur steht ein Laptop, der mit der Steuerungseinheit des vollautomatischen Portals verkabelt ist.

Einige Schaltschranktüren sind offen. Der 48-Jährige tippt Befehle und Daten in den Computer, unbeeindruckt vom Lärm in der großen Montagehalle in Rostock. Überall wird gehämmert, gebohrt, geschweißt und geflext.

„Ich bin gewissermaßen für das Gehirn der Anlage zuständig“, erklärt Hackbarth, der jeden Tag aus dem 70 Kilometer entfernten Küstenort Hohen Wieschendorf bei Wismar in den Stammbetrieb der Rostocker IMG-Group kommt. „Die gesamten elektrischen und pneumatischen Systeme des Portals werden computergesteuert.“

Zur Abnahme reisen die Kunden aus Russland an

Die Ingenieurtechnik und Maschinenbau GmbH, kurz IMG, zählt zu den weltweit führenden Spezialisten für die Projektierung und Montage von hochkomplexen Paneel-Linien, wie die Fertigungsstrecken in Werftbetrieben heißen. Auf den zumeist mehrere Hundert Meter langen Anlagen werden Stahlbaugruppen und Sektionen für Schiffsneubauten verschweißt.

Bis zu 23 Meter breite Bleche können mit dem Portal bearbeitet werden, das in der Halle aufgebaut ist und gerade von Hackbarth und seinen Kollegen auf den ultimativen „Shop-Test“ vorbereitet wird. Der steht in einigen Wochen an, wenn die Vertreter des russischen Auftraggebers anreisen, um sich vor Ort von der Praxistauglichkeit der Anlage zu überzeugen. Gebaut wurde sie für eine neue Werft nahe der Stadt Wladiwostok, mehr als 10.000 Kilometer von Rostock entfernt.

Wenn die Abnahme erfolgt ist, beginnt alles von wieder vorn. „Wir müssen jede Anlage zweimal aufbauen“, stellt Mirko Thoms ohne einen Unterton des Bedauerns fest.

Erst wird alles aufgebaut, dann muss wieder demontiert werden

Der 45-Jährige ist seit 22 Jahren bei IMG und den Aufwand gewohnt. Um eine Anlage ausliefern zu können, muss sie demontiert und in Containern verstaut werden. Beim aktuellen Auftrag werden es alles wohl rund 160 Container mit einigen Hunderttausend Einzelteilen sein.

Er ist Werkstattleiter bei IMG und verantwortlich für alle Arbeiten in der mechanischen Werkstatt, im Zuschnitt und Stahlbau sowie in der Endmontage. „Anfangs haben wir vor allem die Werften in Mecklenburg-Vorpommern beliefert, die in den 90er-Jahren modernisiert wurden. Danach ging es in die weite Welt“, erzählt Thoms, der als leitender Monteur selbst oft im Ausland unterwegs war.

Der Auf- und Ab- und Wiederaufbau einer Paneel-Linie ist wie ein riesiges Puzzle. Die Vorarbeiten dafür beginnen bereits in der Konstruktion. Der 55 Tonnen schwere Portalträger für die russische Werft etwa wurde dreigeteilt ausgeführt, da er nicht in einem Stück in den Container passt.

Ordnung ist das halbe Leben, auch bei Versandlisten

An allen Trennstellen sind Elektro- und Hydraulikleitungen zusammengesteckt oder verschraubt, sodass sie ohne Probleme gelöst und wieder verbunden werden können. Thoms: „Dadurch sparen wir beim zweiten Aufbau etwa ein Drittel an Zeit gegenüber der Erstmontage.“

Das klappt aber nur, wenn der Logistikplan stimmt. Die Versandlisten für die Container werden so exakt wie möglich erstellt, um die Frage „Was ist da drin?“ auf Anhieb beantworten zu können. Thoms: „Das ist hilfreich, wenn jemand aus dem Ausland anruft und schnell wissen will, wo welches Teil zu finden ist.“

Die Monteure René Schuldt (32) und Jan Kaminski (29) können ein Lied davon singen. Sie waren oft auf IMG-Baustellen in verschiedenen Ländern tätig. Aber auch daheim ist die Fertigung einer Paneel-Linie, die stets maßgeschneidert wird, eine große Herausforderung.

Montage in Katar? „Da läuft einem das Wasser aus den Schuhen“

Kaminski bohrt gerade zahlreiche Löcher in ein blau lackiertes Stahlkonstrukt. Nicht einfach, denn „die Bauzeichnungen sind übersät mit Hunderten von Details und Maßen“. Er und Schuldt sind seit Anfang der 2000er-Jahre bei IMG und haben hier auch die Lehre gemacht. Sie schätzen die vielseitige Arbeit und das gute Zusammenspiel in der Belegschaft.

Das zahle sich im Ausland besonders aus, wo die Bedingungen vor Ort zuweilen extrem sind. Wie vor einigen Jahren in Katar. „Die Höchsttemperatur lag bei 56 Grad Celsius“, erinnert sich Schuldt. „Da brennt der Planet. Sobald man rausgeht, läuft einem das Wasser aus den Schuhen.“ Die Paneel-Linie für eine neu gebaute Werft am Golf haben sie trotzdem in gewohnter Qualität aufgebaut.

Die Debatte um die widrigen Klimabedingungen bei der geplanten Fußball-WM 2022 in dem Golfstaat kann der IMG-Mann daher gut nachvollziehen. Seine Einschätzung: „Fußball spielen geht da nur in geschlossenen Stadien. Alles andere können Sie vergessen.“

Ingenieurtechnik und Maschinenbau GmbH, Rostock

Die Ingenieurtechnik und Maschinenbau GmbH (IMG) wurde im Jahr 1990 in Rostock gegründet und ist heute Stammbetrieb der IMG-Group mit acht Firmen. Das Unternehmen projektiert, plant und liefert Systemlösungen für die maritime und Maschinenbau-Industrie. Es ist weltweit mit führend in der Sparte und exportierte bisher Anlagen und Projekte in 27 Länder, darunter Russland, Brasilien, Rumänien, die USA, Italien und die russische Republik Tatarstan. In der IMG-Group sind insgesamt 240 Mitarbeiter beschäftigt.

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