Betriebliches Vorschlagswesen: Wie Unternehmen clevere Mitarbeiter-Ideen honorieren: AKTIV im Norden

Geld für gute Tipps

Betriebliches Vorschlagswesen: Wie Unternehmen clevere Mitarbeiter-Ideen honorieren


Die Idee war das Ergebnis harter Arbeit: Tagelang hatte ein 23-köpfiges Montageteam von Premium Aerotec in Nordenham die komplette Produktion einer Flugzeugschale analysiert und diskutiert. Am Ende stand fest: Das kann man besser machen.

Und tatsächlich, die Ideen der Mitarbeiter waren nicht nur umsetzbar, sie sparen auch noch Geld. Ziemlich genau 231.535 Euro pro Jahr. Für diese Leistung gab es eine Prämie von 75 Prozent, für das gesamte Team 173.645 Euro. Ralf Hesse ist heute noch begeistert, wenn er davon erzählt. Er leitet seit Jahren das Betriebliche Vorschlagswesen, kurz: BVW, im Unternehmen. „Insgesamt bringen die vielen Vorschläge jährliche Kosteneinsparungen von bis zu 1 Million Euro pro Standort“, sagt er.

Damit das so bleibt, gibt’s Geldprämien, Sachpreise und Gutscheine. Außerdem werden regelmäßig Sonderpreise verlost. Der heißbegehrte Hauptgewinn: eine Woche freie Fahrt in einem schicken Mercedes SLK.

Unternehmen verlosen regelmäßig Sonderpreise

„Je attraktiver das Vorschlagwesen ist, desto mehr Ideen werden eingereicht“, sagt Alexander Matthes vom Arbeitgeberverband Nordmetall, der einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch für die Ideenmanager anbietet. Zum Beispiel mit der Hamburger Still GmbH. Auch der Intralogistiker belohnt gute Vorschläge. Außerdem nimmt jeder, der eine Idee einreicht, an einer Verlosung teil: zwei Wochen freie Fahrt mit dem betriebseigenen Mini Cabrio.

Bei KS Gleitlager in Papenburg hat der BVW-Beauftragte Jens Korporal (32) im letzten Jahr fast 80 ausgefüllte Vorschlagsformulare entgegengenommen. „Rund die Hälfte der Ideen kann umgesetzt werden,“ erzählt er. „Allein im letzten Jahr haben wir fast 130.000 Euro gespart und rund 46.000 Euro Prämien ausgeschüttet.“

Mitdenken lohnt sich: Das können die beiden Maschinenwerker Berthold Hieronimus und Frank Schlereth bestätigen. Sie erkannten, dass eine bestimmte Bohrung nicht entgratet werden muss.

Dadurch wird die Produktion einfacher, weil die Lagerschalen nicht mehr auf einer anderen Maschine bearbeitet werden müssen. Die Höhe ihrer Prämie wollen die beiden nicht verraten, nur so viel: „Wir waren sehr positiv überrascht!“

75 Prozent der Vorschläge kommen aus der Produktion

Bei ZF Lenksysteme Nacam in Bremen sparten kreative Ideen im letzten Jahr 144.000  Euro, verbesserten Arbeitssicherheit, Umweltschutz und interne Abläufe. Momentan wird eine energiesparende Beleuchtung installiert. „Außerdem wird jeder Vorschlag daraufhin geprüft, ob er auch an den anderen Standorten nützlich ist“, sagt Zubeda Becker, Ideenmanagement-Koordinatorin für die 280 Mitarbeiter.

Als Dank gibt’s Geldprämien. Für Vorschläge ohne Spareffekt werden zwischen 50 und 500 Euro veranschlagt, ansonsten orientiert sich die Auszahlung an der Höhe des Einsparpotenzials. Außerdem verlost ZF Lenksysteme regelmäßig Sonderpreise.

Bei SKF Blohm + Voss Industries weiß jeder, was kreative Einfälle wert sind. Eine Art überdimensionale Glühbirne mit Namen BOB zeigt nämlich genau an, wie viel Geld findige Mitarbeiter schon gespart haben. Für je 100 Euro Einsparung wird BOB mit einem gelben Tischtennisball gefüttert. Allein 480 Bälle (48.000 Euro) brachte die Idee der Gruppe Service/Verpackungen im Produktionsbereich Abdichtung. Sie schlug vor, Flachdichtungen nicht einzukaufen, sondern selbst zu fertigen. Das spart Zeit und Abfall.

Für Vorschläge erhält man Geld und ein T-Shirt mit der Aufschrift BOB. Kann eine gut bewertete Idee nicht umgesetzt werden, gibt es einen 25-Euro-Einkaufsgutschein. Im Kranbauwerk von Manitowoc in Wilhelmshaven wurden einige Einreichungen sogar zum Patent angemeldet.

„An den Terminals zur Arbeitszeiterfassung gibt es Sammelbehälter für Ideen“, sagt BVW-Beauftragter Wolfgang Hayungs. Drei Viertel der jährlich 350 Vorschläge stammen hier aus der Produktion. „Unseren Mitarbeitern verdanken wir Einsparungen von manchmal 100.000 Euro pro Jahr und mehr.“ Auch bei Klöckner Desma Schuhmaschinen in Achim leert man einmal pro Woche den klassischen Briefkasten mit ausgefüllten Vorschlagsformularen. Die Firma zahlt Prämien zwischen 50 und 800 Euro.

Bei Philips gibt es mindestens 100 Euro, manchmal auch fünfstellige Beträge. „Bei uns werden im Durchschnitt rund acht bis zehn Ideen pro Woche eingereicht“, erklärt Jens Lange, Koordinator der Ideenbörse von Philips Medical Systems in Hamburg. Belohnt werden alle eingereichten Ideen, die nicht zu den Kernaufgaben des Mitarbeiters gehören.

Auch mit kleinen Ideen lässt sich viel sparen

Regelmäßig erfinderisch ist beispielsweise Gunnar Wisch. Er ist dafür verantwortlich, dass die Philips-Systeme vor dem Versand sicher, kostengünstig und umweltschonend verpackt werden. Der 46-jährige Verpackungskünstler ist seit fast 30  Jahren im Betrieb und punktet mit immer neuen Einsparideen. Im Laufe der Zeit hat er so einige 10.000 Euro an Prämien kassiert.

Dass auch kleine Ideen großes Sparpotenzial haben können, bewies André Heißenbüttel von Gestra in Bremen. Der 23-Jährige regte an, das Mineralwasser aus der Flasche durch Wasserspender zu ersetzen. Von den rund 2.000 gesparten Euro pro Jahr erhält der duale Student laut Betriebsvereinbarung 25 Prozent. Na dann: Wohl bekomm’s.

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AKTIV im Norden Februar-Ausgabe 2017